Keynesianismus

Eine nachfrageorientierte Denkschule innerhalb der Volkswirtschaftslehre

Ein Artikel im Kompendium der marktwirtschaftlich-sozialökologischen Ökonomik

Zentrale Fragen angesichts der neoliberalen Krise:
Wie sind Beschäftigung und faire Einkommen zu sichern?
Wie kann die Umwelt effektiv geschützt werden?
Wie ist die wirtschaftliche Globalisierung zu gestalten?
Welchen Beitrag kann die Wirtschaftswissenschaft leisten?
Welche Aufgaben muss die Wirtschaftspolitik wahrnehmen?
Wie ist die Wirtschaftspolitik demokratisch zu legitimieren?

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Inhaltsverzeichnis

  1. Überblick
  2. Einführung
  3. Keynes’ revolutionärer Ansatz
  4. Die Ratlosigkeit der ökonomischen Denkschulen
  5. Umrisse eines zukunftsfähigen Globalisierungsparadigmas
  6. Die Schlussfolgerung ist eindeutig:

1. Überblick

Die wirtschaftpolitische Auseinandersetzung wird immer noch von ökonomischen Theorien bestimmt, die sich schon unter den früheren Bedingungen nationalstaatlicher Autonomien als nur bedingt tauglich erwiesen haben. Im Zentrum der gegenwärtigen ökonomischen Auseinandersetzung stehen keynesianische und neoklassische Theorien, die bei zunehmender »Marktliberalisierung« nur noch ergebnislose Dauerdispute hervorrufen. Die Beschäftigung mit historischen Theorien ist jedoch durchaus sinnvoll, denn sie kann den Blick für ein zeitgemäßes ökonomisches Paradigma schärfen, ein Paradigma, das die wirtschaftliche Globalisierung mit der gesellschaftlichen Wohlfahrt versöhnt.

2. Einführung

Der englische Nationalökonom John Maynard Keynes (1883 bis 1946) löste mit seinem 1936 erschienenen Hauptwerk »The General Theory of Employment, Interest and Money« (zu deutsch: »Die allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes«) eine Revolution im ökonomischen Denken aus. Die Folgen der Weltwirtschaftskrise vor Augen wies Keynes die damals vorherrschende angebotsorientierte Neoklassische Lehre zurück, die eine Selbstregulierung und Selbststabilisierung der Wirtschaft mit Vollbeschäftigung unterstellt, und setzte die Möglichkeit von Gleichgewichten bei gleichzeitiger Unterbeschäftigung dagegen, aus der er eine staatliche Steuerungsnotwendigkeit und Steuerungsmöglichkeit ableitete (siehe ergänzend auch den Artikel Klassische und Neoklassische Lehre).

In der akademischen und auch in der wirtschaftspolitischen Kontroverse stehen sich auch heute noch das auf Keynes zurückgehende Paradigma und die Neoklassische Lehre unversöhnlich gegenüber. Dieser Streit ist unter den Bedingungen fortgesetzter nationalstaatlicher Deregulierungen und der Entstehung offener globaler Märkte (der neoliberalen wirtschaftlichen Globalisierung) jedoch völlig unergiebig, weil beide historischen Denkschulen zum einen auf der Prämisse wirtschaftspolitisch autonomer Nationalstaaten beruhen, unter der sie zu ihrer Zeit entstanden sind, und zum anderen selbst unter dieser Prämisse keine dauerhafte Vollbeschäftigung sicherstellen konnten. Gleichwohl ist es hilfreich, die Grundzüge des Keynesianismus wie auch der Neoklassik zu verinnerlichen, vor allem, um im Vergleich aufzuzeigen, dass die gegenwärtige Entwicklung der neoliberalen Globalisierung historisch ohne Beispiel ist und dass deshalb alle Versuche ergebnislos verlaufen müssen, sie mit den überlieferten Instrumenten ins Gleichgewicht zu steuern.

Festzuhalten ist vorab, dass das Dogma der »Marktliberalisierung«, von dem die gegenwärtige Globalisierung beherrscht wird, mit einer sinnvollen wirtschaftspolitischen Steuerung und Stabilisierung unvereinbar ist. Zur Überwindung dieses Dogmas bedarf es autonomer nationaler oder supranationaler Wirtschaftsordnungen und internationaler Vereinbarungen, die sich auf ein zukunftsfähiges, heutigen Anforderungen genügendes Globalisierungsparadigma gründen. Dieses Paradigma muss sich von der irrigen Vorstellung globaler zentralistischer Steuerung lösen und sich (wieder) der Gestaltung der Nahtstellen zwischen den traditionell sehr unterschiedlichen Handelsnationen zuwenden. Dabei sind historische Anleihen keineswegs ausgeschlossen, soweit sie der Realität des 21. Jahrhunderts gerecht werden.

3. Keynes’ revolutionärer Ansatz

Keynes ging von einer systembedingten Instabilität und von fehlenden Selbstheilungskräften der Marktwirtschaft aus und griff die Neoklassik im wesentlichen mit fünf Thesen seiner Allgemeinen Theorie an:

  1. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wird überwiegend durch das Einkommen von Haushalten und Unternehmen bestimmt – nicht durch den Zinssatz.
  2. Auch wenn die Geld-, Güter- und Arbeitsmärkte im Gleichgewicht sind, kann es bei nicht voll ausgelasteter Produktionskapazität dauerhafte Unterbeschäftigung geben. Im Gegensatz zur neoklassischen Theorie wird das Beschäftigungsniveau nicht durch das Arbeitsmarktgleichgewicht bestimmt, sondern durch die effektive Gesamtnachfrage nach Investitions- und Konsumgütern. Auch beliebig flexible Reallöhne können bei fehlender Gesamtnachfrage keine zusätzliche Nachfrage am Arbeitsmarkt und damit auch keine wirtschaftliche Expansion (Wachstum) erzeugen.
  3. Investitionsentscheidungen sind in Marktwirtschaften mit Unsicherheiten verbunden, die zu Instabilitäten und Unterbeschäftigung führen können – die Annahme vollständiger Voraussicht und ständigen Gleichgewichts ist realitätsfern.
  4. Investoren treffen ihre Entscheidungen überwiegend autonom und unabhängig vom Zinssatz – ein automatischer Ausgleich zwischen Sparen und Investieren ist nicht grundsätzlich gegeben.
  5. Aufgrund mangelhafter Transparenz und Information besteht in Marktwirtschaften ein unvollkommener Wettbewerb – auch auf dem Arbeitsmarkt. Die Annahme vollständiger Konkurrenz und vollständiger Information ist unrealistisch.

Den Thesen seiner Allgemeinen Theorie stellte Keynes drei konkrete wirtschaftspolitische Maßnahmen einer antizyklischen Geld- und Fiskalpolitik zur Seite:

  1. In der Rezession erhöht der Staat zum einen die Geldmenge (expansive Geldpolitik), um das Reallohnniveau mittels Geldentwertung (Inflation) abzusenken. Dadurch wird einerseits die Arbeitsnachfrage der Unternehmen stimuliert, andererseits werden die Arbeitnehmer infolge ihrer sinkenden Kaufkraft bewegt, mehr Arbeit anzubieten. Sobald die Rezession in einen Aufschwung übergeht, wird die Geldmenge wieder reduziert.
  2. Weil die Geldpolitik ihre Wirkung verliert, sobald sie übermäßige Liquidität erzeugt hat, betreibt der Staat in der Rezession zum anderen eine expansive Fiskalpolitik. Das heißt, er erhöht schuldenfinanziert seine Ausgaben (deficit spending), so dass die Unternehmen infolge der zusätzlichen staatlichen Nachfrage ihre Produktionskapazitäten besser auslasten und mehr Arbeit nachfragen können – bis schließlich, bei stabilisierten Löhnen, Vollbeschäftigung herrscht. Sobald die Rezession in einen Aufschwung übergeht, werden die Steuern erhöht und die Ausgaben reduziert, um die Staatsschulden wieder zu tilgen.
  3. Um Instabilitäten infolge unternehmerischer Investitionsentscheidungen zu vermeiden, wird ergänzend zur priva­ten Initiative eine staatliche Investitionsplanung betrieben.

Insgesamt zielen die Keynesschen Vorschläge darauf ab, eine Nachfragesteuerung mit indirekten Mitteln auf der makroökonomischen (volkswirtschaftlichen) Ebene mit den Effizienzvorteilen der marktwirtschaftlichen Steuerung auf der Mikroebene (der Ebene der privaten Haushalte und Unternehmen) zu verbinden. Anzumerken ist aus heutiger Sicht, dass Deficit Spending nur dann die Beschäftigung entscheidend erhöht, wenn überwiegend arbeitsintensive Wirtschaftssektoren von den staatlichen Ausgaben profitieren. Zudem ist anzuzweifeln, dass die von Keynes vorgesehene staatliche Investitionsplanung den Unternehmen Effizienzvorteile bringt.

Mitte der siebziger Jahre wurde die Keynessche Lehre erschüttert, weil sie das gleichzeitige Auftreten von Stagnation und Inflation (Stagflation) nicht erklären konnte. Durch das neuartige Phänomen der Stagflation wurde die »monetaristische Gegenrevolution« ausgelöst und verhalf der von Nobelpreisträger Milton Friedman (1912 – 2006) in den fünfziger und sechziger Jahren mit entwickelten Theorie des Monetarismus zum Durchbruch und damit zugleich der Neoklassischen Theorie zu einer Renaissance. Beide Theorien stützen sich auf die Annahme einer Selbstregulierung und Selbststabilisierung der Wirtschaft bei gleichgewichtsorientierter Vollbeschäftigung. Der Monetarismus tritt zudem für die Reprivatisierung aller Lebensbereiche ein und lehnt die Keynessche Fiskalpolitik ab, weil er davon ausgeht, dass kreditfinanzierte öffentliche Maßnahmen eine Verdrängung privater Investitionen zur Folge haben. Er plädiert stattdessen für eine langfristig angelegte Geldpolitik mit eventueller Finanzierung von Konjunkturprogrammen mittels Geldschöpfung der Zentralbanken. Arbeitslosigkeit interpretiert er als weitgehend freiwillig, und unterstellt, sie beruhe auf falschen Reallohnvorstellungen und Informationsmängeln sowie auf Marktversagen durch Arbeitslosenversicherung und Sozialhilfe!

KeynesianismusJPG01Seit den neunziger Jahren ist der Einfluss des Keynesschen Paradigmas auf die Wirtschaftspolitik teils als Folge der monetaristischen Gegenrevolution, vor allem aber wegen der neoliberalen Dauerdepression mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit, auf das oben dargestellte Deficit Spending zusammengeschrumpft. Die Dauerdepression zwingt die betroffenen Staaten zu laufender Neuverschuldung, ohne ihnen je Gelegenheit zu geben, ihre Verschuldung mittels Steuererhöhung und Ausgabenreduzierung wieder zu tilgen. Gleichzeitig sind die Unternehmen bestrebt, die stagnierende Inlandsnachfrage durch Expansion auf Exportmärkten zu kompensieren. Dabei geraten sie auf den offenen globalen Märkten unter erhöhten Wettbewerbs- und Kostendruck und sind gezwungen, immer mehr Arbeitsplätze abzubauen oder in Billiglohnländer zu verlagern – was im Gegenzug zugleich das Volumen von Billigimporten in die Höhe treibt und weitere Arbeitsplatzverluste nach sich zieht. All das hat zur Folge, dass die Binnenwirtschaften sich trotz des laufenden Deficit Spending von einem Gleichgewicht mit Vollbeschäftigung immer weiter entfernen.

4. Die Ratlosigkeit der ökonomischen Denkschulen

Da sowohl die Neoklassische Lehre als auch der Monetaris­mus den Beweis einer Selbstregulierung und Selbststabilisierung der Wirtschaft schuldig geblieben sind, wird inzwischen auch der Keynesschen Lehre unter dem Begriff Postkeynesianismus neues Leben eingehaucht. Der neuzeitliche Keynesianismus widmet sich verstärkt den Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlicher Verteilung, Beschäftigung, Investitionen und Wachstum und versucht, die realen Ungleichgewichte zu berücksichtigen, die durch allgemeine Unsicherheiten, soziale Konflikte und Kapitalkonzentrationen auftreten. Ähnlich wie Keynes selbst betrachtet der Postkeynesianismus den Arbeitsmarkt nicht als Markt im üblichen Sinne, auf dem allein über das Reallohnniveau Vollbeschäftigung zu erzielen wäre, sondern fordert wirtschaftspolitische Maßnahmen, um die Arbeitsnachfrage zu stimulieren.

Anhänger des Monetarismus und des Postkeynesianismus sorgen dafür, dass sich die Kontroverse zwischen angebots- und nachfrageorientierter Theorie auch heute noch – mit einigen neuen Facetten – fortsetzt. Am eindrücklichsten lässt sich diese Kontroverse unter den Mitgliedern des Sachverständigenrats der deutschen Bundesregierung, den sogenannten fünf Wirtschaftsweisen, beobachten. Da die exogenen (äußeren) Einflüsse der neoliberalen Globalisierung auf die Nationalökonomien jedoch historisch ohne Beispiel und theoretisch nicht aufgearbeitet sind, kann es logischerweise keiner der überlieferten Denkschulen gelingen, einer Lösung der globalisierungsbedingten Probleme näher zu kommen.

Die ökonomische Verwirrung ist erklärlich, weil der seit der Jahrtausendwende herrschende depressive Zustand mit hoher Arbeitslosigkeit dem einer herkömmlichen Depression ähnelt, die im Konjunkturzyklus nach Lehrbuchmeinung eigentlich durch einen Aufschwung mit hoher Beschäftigung abgelöst werden müsste. Aber das gegenwärtige Phänomen entzieht sich, wie gesagt, konjunktureller Einordnung und widersetzt sich konjunktureller Steuerung. Da die Lehrbücher der Ökonomie keine zeitgemäße Antwort geben können, verschaffen sie den Verfechtern der neoliberalen Freihandelsdoktrin indirekt eine billige »wissenschaftliche« Rechtfertigung, die Schwankungen ökonomischer Parameter trotz fortgesetzter Zunahme von Unterbeschäftigung und Armut als »klassische« Konjunkturzyklen zu verharmlosen. Siehe dazu auch den Artikel Konjunktur.

5. Umrisse eines zukunftsfähigen Globalisierungsparadigmas

Einen Verdrängungswettbewerb mit absoluten Preisvorteilen (in Dollar oder Euro) auf offenen globalen bzw. europäischen Märkten einschließlich der Tendenz zu vollständiger territorialer Spezialisierung und größtmöglicher Kapitalkonzentration hat es in der Wirtschaftsgeschichte bisher noch nicht gegeben. Wegen des inhärenten Widerspruchs zwischen der Doktrin der Deregulierung nationaler Märkte einerseits und der Forderung nach Maßnahmen zur Erzielung eines wirtschaftlichen Gleichgewichts mit Vollbeschäftigung andererseits stehen die tatsächlichen Chancen für Gleichgewicht und Vollbeschäftigung zwangsläufig schlecht. Dazu kommt die ernüchternde Erfahrung, dass es nur während des außergewöhnlichen Wachstums nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gelungen ist, Vollbeschäftigung über mehrere Jahrzehnte sicherzustellen. Sicher scheint nur Eines: Im Umfeld der akademischen Ökonomik ist eine ökonomische Theorie, mit der Vollbeschäftigung auch bei geringem Wachstum und Stagnation herzustellen wäre, nicht in Sicht – was für mich die Motivation für das vorliegende Kompendium ist.

Wie jeder Beobachter leicht feststellen kann, sorgt der doktrinäre Widerspruch im Tagesgeschäft der Wirtschaftspolitik auf allen Ebenen für ein ständiges Hickhack zwischen Befürwortern und Gegnern der »Marktliberalisierung«. Solange die Befürworter ihre eigennützigen wirtschaftlichen Ziele verfolgen und den Gegnern nichts besseres einfällt, als auf historisch überholte ökonomische Theorien zurückzugreifen, wird es keinen Durchbruch auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen wirtschaftlichen Globalisierung geben.

6. Die Schlussfolgerung ist eindeutig:

Die Doktrin der nationalen Deregulierung mit dem Ziel einer weltumspannenden Liberalisierung aller wirtschaftlichen Aktivitäten ist angesichts der verursachten sozialen und ökologischen Verheerungen offenkundig gescheitert. Insbesondere die Folgen der 2008 einsetzenden Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise lassen nur den Umkehrschluss zu, dass eine zukunftsfähige Globalisierung auf dem Fundament autonomer nationaler oder supranationaler Wirtschaftspolitiken aufbauen muss. Das heißt konkret, nationale bzw. supranationale Wirtschaftsräume müssen zunächst ihre binnenwirtschaftlichen Aktivitäten auf nachhaltige Wohlfahrt ausrichten, um dann ihren internationalen Handel so zu regeln, dass ihre grenzüberschreitenden Transaktionen sich konstruktiv in ihre Binnenwirtschaft und ihren Binnenwettbewerb einfügen (siehe dazu auch den Artikel Nachhaltige gesellschaftliche Wohlfahrt).

Als entscheidende Lehre aus den historischen Erfahrungen ist dabei zu berücksichtigen, dass weder die geld- oder fiskalpolitische Stimulierung der Angebotsseite (der Produktion) noch die der Nachfrageseite (Investitionen und Konsum) allein dauerhafte Vollbeschäftigung garantieren. Denn beide zielen – direkt bzw. indirekt – lediglich auf eine Erhöhung der Produktion, ohne der natürlichen Tendenz zur Konzentration des Produktionskapitals entgegenzuwirken. Da Kapitalkonzentration zu flächendeckender Verödung der wirtschaftlichen Strukturen führt, kann eine Erhöhung der Produktionsmenge ohne Anpassung der Produktionsstruktur keine Beschäftigung und keine (leistungsgerechte) Gleichverteilung von Einkommen und Vermögen herbeiführen. Beides ist jedoch Voraussetzung für nachhaltige gesellschaftliche Wohlfahrt.

Das heißt im Klartext:

Der Schlüssel zu Vollbeschäftigung, Wohlstand und Wohlfahrt liegt einzig in der Produktionsstruktur!

Die Prioritäten müssen also umgekehrt werden: Statt unkontrollierter Konzentration von Macht und Kapital muss eine geregelte Dezentralisierung, besser: eine geregelte Subsidiarisierung der wirtschaftlichen Strukturen im Vordergrund stehen. Die ist Voraussetzung für dezentral wahrgenommene demokratische Verantwortung und für breitgefächerte Teilnahme und Teilhabe aller Bürger am Wirtschaftsleben, also für Vollbeschäftigung und existenzsichernde Einkommen, aber auch für ökologische Nachhaltigkeit.

Steigerungen der Produktivität und der Produktionsmenge einschließlich der damit verbundenen Realisierung von Größenvorteilen und Skalenerträgen erfolgen dann strikt im Rahmen der vorgegebenen dezentralen (subsidiären) Strukturen. Damit ist sichergestellt, dass der wünschenswerte Produktivitätsfortschritt statt externer Kosten, wie im neoliberalen System, soziale Erträge sowie geringste ökologische Kosten oder sogar ökologische Erträge erzeugt.

Erst auf dem Fundament autonom gestalteter subsidiärer nationaler oder supranationaler Strukturen lässt sich eine zukunftsgerechte wirtschaftliche Globalisierung verwirklichen. Die Qualität der Schnittstellen, die über den Nutzen des Handels zwischen den autonomen Wirtschaftsräumen entscheidet, misst sich daran, inwieweit die Außenwirtschaft der Entwicklung der Binnenwirtschaften der Handelspartner förderlich ist. Ertragreich kann der internationale Handel und Wettbewerb nur sein, wenn er auf der Grundlage relativer statt absoluter Preisvorteile stattfindet. Denn nur dann werden gegenseitige Verdrängungen und zunehmende Konzentrationen vermieden. Die Voraussetzung dafür ist ein kompromissloses Zurück zu Handelsvereinbarungen, in deren Mittelpunkt Wechselkurse stehen müssen, die das jeweilige Gefälle von Preisen und Produktivitäten neutralisieren, begleitet von gegenseitig zugestandener Autonomie, Zölle und Handelskontingente so festzulegen, dass die Binnenwirtschaften durch die Außenwirtschaft im Sinne von Fortschritt und Wohlfahrt stimuliert werden.

Ergänzend empfehle ich die Artikel Wirtschaftliche Subsidiarität, Prinzipien globaler Ordnung, Prinzipien regionaler Ordnung, Regionales Fundament, Wirtschaftlicher Wettbewerb, Zukunftsfähiger Außenhandel und Komparativer Vorteil – aufgewertet.

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