Produktionsfaktoren

Effiziente ökonomische Zuordnung von Arbeit, Naturressourcen und Kapital

Ein Artikel im Kompendium der marktwirtschaftlich-sozialökologischen Ökonomik

Zentrale Fragen angesichts der neoliberalen Krise:
Wie sind Beschäftigung und faire Einkommen zu sichern?
Wie kann die Umwelt effektiv geschützt werden?
Wie ist die wirtschaftliche Globalisierung zu gestalten?
Welchen Beitrag kann die Wirtschaftswissenschaft leisten?
Welche Aufgaben muss die Wirtschaftspolitik wahrnehmen?
Wie ist die Wirtschaftspolitik demokratisch zu legitimieren?

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Inhaltsverzeichnis

  1. Überblick
  2. Die historische Entwicklung des Begriffs
  3. Produktionsfaktoren und Produktivität
  4. Die gesamtwirtschaftliche Wirkung im Einzelnen
  5. Die Produktionsfaktoren im Wettbewerb
  6. Neoliberaler Faktorwettbewerb
  7. Zukunftsfähiger Faktorwettbewerb

1. Überblick

ProduktionsFaktorenJPG03Über den inhaltlichen Umfang der Produktionsfaktoren besteht weitgehend Einigkeit. Ihre volkswirtschaftliche Funktion, besonders bezüglich der Effizienz ihres Einsatzes und der damit verbundenen Nachhaltigkeit, wird im gegenwärtigen (neoliberalen) Wirtschaftssystem durch die Interessen übermächtiger Kapitaleigner immer wieder verfälscht. Die von diesen Interessen beförderte Deregulierung der Wirtschaft zielt einzig auf Kapitaleffizienz – zulasten der Faktoren Arbeit und Naturressourcen – und endet in gesamtwirtschaftlicher Ineffizienz, sprich: Zerstörung.

Die historische Entwicklung des neoliberalen Wirtschaftssystems ist in dem Artikel Wirtschaftliche Globalisierung dargestellt.

2. Die historische Entwicklung des Begriffs

Als Produktionsfaktoren werden materielle und immaterielle Güter und Leistungen bezeichnet, die zur Produktion anderer Güter und Leistungen eingesetzt werden. Die Produktionsfaktoren (Inputs) werden in einem Produktionsprozess zusammengeführt, um ein gewünschtes Produktionsergebnis (Output) zu erzielen. Die Klassische Lehre unterscheidet Arbeit, Boden und Kapital, denen sie die Einkommensarten Lohn, Bodenrente und Profit zuordnet und damit das Fundament für die volks- und betriebswirtschaftliche Kostenrechnung legt. Der Marxismus fällt später in naturalwirtschaftliche Vorstellungen zurück und sieht allein in der menschlichen Arbeit einen wertschöpfenden Produktionsfaktor. Boden und Kapital bezeichnet er folglich als untergeordnete Produktionsmittel und bringt sich damit um die Chance, für kapitalintensive Produktionen eine schlüssige Kostenzuordnung zu entwickeln (siehe dazu auch den Artikel Arbeitswertlehre).

ProduktionsfaktorenPNG01Die moderne Volkswirtschaftslehre (VWL) weitet den inhaltlichen Umfang der Produktionsfaktoren aus und unterscheidet die drei Gruppen Arbeit, Naturressourcen und Kapital. Dem Faktor Arbeit werden neben der Lohnarbeit alle Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen sowie dispositive und unternehmerische Tätigkeiten zugerechnet und das entsprechende Potential in der Erwerbsbevölkerung als Humankapital bezeichnet. Unter dem Faktor Naturressourcen, der auch als natürliches Kapital oder Naturkapital bezeichnet wird, werden Grundstücke (Boden), nicht-erneuerbare und erneuerbare Rohstoffe (zum Beispiel Mineralien bzw. Holz), Energieträger und Energie einschließlich des Arbeits- und Kapitalaufwandes für deren Erschließung sowie die weichen Standortfaktoren wie Steuern, Standards und gesetzliche Auflagen zusammengefasst. Zum Faktor Kapital (genauer: Sachkapital oder Realkapital) zählen alle in früheren Perioden produzierten materiellen Güter, die sich als Grundlage für zukünftige Produktionen eignen, wie etwa Gebäude, Straßen, Industrieanlagen, Maschinen und Werkzeuge sowie alle immateriellen Güter wie Verfahren, Patente und gespeichertes Wissen. Im Sachkapital konkretisiert sich dementsprechend der technologische Fortschritt, es schließt also die Produktionstechnologien ein.

Geldkapital oder Finanzkapital wird nicht als Produktionsfaktor im eigentlichen Sinne betrachtet, kann jedoch gegen Arbeit (indem Löhne gezahlt werden), Naturressourcen und Sachkapital (indem deren Preise gezahlt werden) getauscht werden und damit Anstöße für neue wirtschaftliche Wertschöpfung geben. Dieser Effekt wird volkswirtschaftlich verstärkt, indem einerseits das Sparaufkommen der Bevölkerung den Wirtschaftsunternehmen über Geschäftsbanken als Kredite verfügbar gemacht wird und die Unternehmen einen Zins für das geliehene Geldkapital zahlen, der anteilig den Banken und den Kreditgebern in der Bevölkerung zufließt. Aber auch indem die Geschäftsbanken andererseits im Rahmen der Geldpolitik und in Abstimmung mit der Zentralbank den Unternehmen frisches Geld als Kredite (sogenannte Kreditschöpfung) zur Verfügung stellen (für weitere Einzelheiten empfehle ich den Artikel Geld und Geldpolitik).

Arbeit und Naturressourcen gelten üblicherweise, weil natürlich vorhanden, als ursprüngliche (originäre) Produktionsfaktoren, Kapital als abgeleiteter (derivativer) Faktor.

Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) folgt aus praktischen Erwägungen nicht der volkswirtschaftlichen Unterscheidung der Produktionsfaktoren. Nach E. Gutenberg (1951) wird die Geschäftsführung einschließlich ihrer Hilfsfunktionen Planung, Organisation und Kontrolle als dispositiver Faktor bezeichnet, der die untergeordneten Elementarfaktoren für den geschäftlichen Erfolg kombiniert. Zu den Elementarfaktoren zählen die objektbezogene menschliche Arbeit, die Betriebsmittel wie Gebäude, Maschinen, Werkzeuge und Einrichtungen, die Werkstoffe, die sich in Rohstoffe, wiederzuverwendende Hilfsmittel und Halbfertigprodukte unterteilen, sowie die Energie. Gutenbergs Gliederung hat gegenüber der volkswirtschaftlichen Unterscheidung den Nachteil, dass die für eine ökologische Ausrichtung und Bilanzierung unabdingbare Trennung von knappen Naturressourcen und vermehrbarem Sachkapital aufgehoben wird. Im gegenwärtigen neoliberalen Wirtschaftssystem wird diese Trennung wiederum unterlassen. Darüber hinaus werden die Substanzverluste an den Naturressourcen auch in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) nicht erfasst (siehe nächsten Abschnitt).

3. Produktionsfaktoren und Produktivität

Die volkswirtschaftliche Produktivität ergibt sich aus der Effizienz der Produktionsprozesse und der Effizienz der gesamtwirtschaftlichen Verteilung und Zuordnung (Allokation) der Produktionsfaktoren zu den Produktionsprozessen. Bei der Ermittlung einer betriebswirtschaftlichen Produktivität befindet sich die gesamtwirtschaftliche Verteilung und Allokation der Produktionsfaktoren naturgemäß nicht im Blickfeld des ermittelnden Betriebes. Damit das Aggregat aller betriebswirtschaftlichen Produktivitäten jedoch mit der gesamtwirtschaftlichen (volkswirtschaftlichen) Produktivität übereinstimmt, bedarf es einer einheitlichen und verbindlichen Berechnungsgrundlage für die betriebs- und die volkswirtschaftliche Bilanzierung. Ausgangspunkt dafür müssen, neben den üblichen kaufmännischen Kriterien, die sozialen und ökologischen Kriterien nachhaltiger volkswirtschaftlicher Effizienz sein, aus denen für jeden wirtschaftlichen Prozess die zutreffenden quantifizierten (monetarisierten) Größen hergeleitet und in die betrieblichen Bilanzen und die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung eingebracht werden, so dass die durch wirtschaftliche Tätigkeit in Gesellschaft und Umwelt verursachten externen Kosten möglichst weitgehend erfasst und den Verursachern zwecks Vermeidung angerechnet werden. Das heißt ökonomisch: die externen Kosten müssen internalisiert werden.

Die hohen externen Kosten, die im gegenwärtigen Wirtschaftssystem erzeugt werden, würden bei derart ehrlicher Erfassung anfangs negative betriebswirtschaftliche Produktivitäten und folglich eine negative volkswirtschaftliche Produktivität zutage fördern. Aber um dieser Entwicklung zu begegnen, führt kein Weg daran vorbei, die externen Kosten und ihre Ursachen offenzulegen.

Für ein besseres Verständnis der Auswirkungen der neoliberalen Wirtschaftsdoktrin empfehle ich die Artikel Neoliberaler Teufelskreis und Exzesse des Kapitalismus.

Wenn hingegen versäumt wird, soziale und ökologische Kriterien zur Grundlage des Wirtschaftens zu machen, sind die Unternehmen verleitet, nicht nachhaltig zu wirtschaften, in ihren Bilanzen die externen Kosten zu unterschlagen und fälschlicherweise überhöhte Produktivitäten auszuweisen. Dasselbe gilt dann für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, die eine gleichermaßen überhöhte volkswirtschaftliche Produktivität ausweist, so dass die Grundlage für eine wirtschaftspolitische Gegensteuerung fehlt und der soziale und ökologische Niedergang verschleiert wird (siehe ergänzend den Artikel Effizienz und Produktivität).

4. Die gesamtwirtschaftliche Wirkung im Einzelnen

Auf die Produktionsfaktoren bezogen bedeutet nachhaltige volkswirtschaftliche Effizienz im wesentlichen, dass die Arbeitsnachfrage mit dem Arbeitsangebot quantitativ und qualitativ übereinstimmt, die Naturressourcen nachhaltig genutzt werden und das Produktionskapital sich der effizienten Allokation der Faktoren Arbeit und Naturressourcen unterordnet, mit anderen Worten: wenn die Kapitalrendite ausnahmslos auf der Grundlage eines effizienten Einsatzes der Faktoren Arbeit und Naturressourcen erzielt wird, das heißt, auf der Grundlage von Vollbeschäftigung und nachhaltiger Ressourcennutzung, also konsequentem Umweltschutz.

Faktor Arbeit: Die maximale Effizienz menschlicher Arbeit ergibt sich, wenn die gesamte Erwerbsbevölkerung ihre Fähigkeiten produktiv einbringen kann (Teilnahme am Wirtschaftsleben / Vollbeschäftigung) und vom Lohn ihrer Arbeit leben kann (Teilhabe am Wirtschaftsergebnis), ohne staatliche Leistungen in Anspruch nehmen zu müssen, und schließlich: wenn der Faktor Arbeit nicht durch vermeidbare Ineffizienzen wie arbeitsbedingte Krankheiten und Unfälle belastet wird. Vollbeschäftigung und existenzsichernde Arbeitseinkommen können mit dezentralen (subsidären) Wirtschaftsstrukturen erzielt werden.

Subsidiäre Strukturen stellen sicher,

  • dass die Effizienz (die Rendite) des Faktors Kapital in den Dienst der Effizienz des Faktors Arbeit (und des Faktors Naturressourcen, siehe unten) gestellt wird und
  • dass Kapitalkonzentrationen vermieden werden.

Das heißt insbesondere, dass Produktivitätssteigerungen mittels Skalenerträgen und Größenvorteilen nur innerhalb der subsidiären, nach produktionstechnischen Gesichtspunkten weitestgehend dezentralisierten Strukturen genutzt werden. Umgekehrt bedeutet das, dass die wirtschaftlichen Strukturen sich keinesfalls an den betriebswirtschaftlich maximal zu erzielenden Skalenerträgen und Größenvorteilen orientieren dürfen. Darüber hinaus lässt sich die Effizienz des Faktors Arbeit, und damit die Produktivität der Wirtschaftsprozesse, durch Wissenserwerb beliebig steigern.

Die Allokation der Arbeit erfolgt in einer Marktwirtschaft über den Arbeitsmarkt, auf dem im Spannungsfeld von Angebot und Nachfrage die Löhne ausgehandelt werden. Weiterführend zu empfehlen: Wirtschaftliche Subsidiarität sowie Skalenerträge und Produktivität!

Faktor Naturressourcen: Die maximale Effizienz des Faktors Naturressourcen wird erzielt, wenn die nicht-erneuerbaren, knappen Ressourcen wie Boden und Mineralien dauerhaft wiederverwendet (recycelt) oder, soweit möglich, durch erneuerbare, nachwachsende Ressourcen ersetzt (substituiert) werden, und wenn letztere nur im Rahmen ihrer natürlichen Regenerationsfähigkeit genutzt werden. Die Wiederverwendung nicht-erneuerbarer Ressourcen wie Mineralien kann oder muss durch nachgeordnete Prozesse der Wiederaufarbeitung sichergestellt werden (technisches Recycling). Die Wiederverwendung erneuerbarer (nachwachsender) Ressourcen wie etwa Holz muss, falls kein unmittelbarer erneuter Einsatz möglich ist, durch nachgeordnete Prozesse der Kompostierung (biologisches Recycling) sichergestellt werden.

Mit fiskalischen Mitteln (Steuern) und gesetzlichen Auflagen können Anreize für eine effiziente Allokation, also für minimale Beschädigungen und Verunreinigungen der Rohstoffe sowie für ihre effiziente Wiederverwendung, geschaffen werden. Eine wesentliche Voraussetzung für die Wirkung dieser Anreize sind, wie beim Faktor Arbeit, subsidiäre Wirtschaftsstrukturen, die den Akteuren die unmittelbare Verantwortung für die Effizienz vor Ort zuweisen und eine Verlagerung der Verantwortung nach außen verhindern.

Die Allokation der Naturressourcen erfolgt in einer Marktwirtschaft über die Grundstücks- und Rohstoffmärkte, auf denen im Spannungsfeld von Angebot und Nachfrage die Preise ausgehandelt werden. Um auf den Grundstücksmärkten ein »intergenerationelles Recycling«, das heißt, eine gerechte Verteilung von Grund und Boden auch über Generationen hinweg sicherzustellen (Stichwort: Generationengerechtigkeit), empfiehlt es sich für Volkswirtschaften, private Eigentumstitel auf Lebenszeit zu begrenzen oder Grund und Boden grundsätzlich nur zu verpachten.

Faktor Kapital: Die maximale Effizienz des Faktors Kapital (hier: Sachkapital) kann nur dann erreicht werden, wenn sein Einsatz auf die höchstmögliche Effizienz der Faktoren Arbeit und Naturressourcen zielt (eine isolierte, von den anderen Faktoren unabhängige Kapitaleffizienz bzw. Kapitalrendite ist nicht nachhaltig, also ineffizient). Wichtigste Voraussetzung für nachhaltig hohe Kapitaleffizienz sind die oben genannten subsidiären Wirtschaftsstrukturen, durch die Kapitalkonzentrationen und Monopolbildungen einschließlich der Realisierung beliebig hoher, von der Effizienz der Faktoren Arbeit und Naturressourcen losgelöster Skalenerträge und Größenvorteile vermieden werden. Das aber heißt: die volkswirtschaftliche Gesamteffizienz der Faktorallokation ergibt sich aus der Produktionsstruktur und aus der innerhalb der Struktur produzierten Produktionsmenge, nicht jedoch, wie unter dem herrschenden neoliberalen Dogma, aus der Produktionsmenge allein.

Darüber hinaus kann die Effizienz des Sachkapitals durch qualitative Weiterentwicklung endlos gesteigert werden. In seiner immateriellen Ausprägung (als Wissen) kann es sogar endlos vermehrt werden. Das heißt für die Produktivität: Sie kann durch qualitative Weiterentwicklung und Erwerb neuen Wissens endlos gesteigert werden. Qualitatives Wirtschaftswachstum ist also unbegrenzt möglich, während quantitatives Wirtschaftswachstum durch die Endlichkeit der vom Menschen schadlos zu beanspruchenden Naturressourcen begrenzt ist bzw. durch die in einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft maximal mögliche Geschwindigkeit des Ressourcendurchsatzes an seine Grenzen stößt.

Die Allokation des Sachkapitals erfolgt in einer Marktwirtschaft auf den Immobilien- und Investitionsgütermärkten, auf denen im Spannungsfeld von Angebot und Nachfrage die Preise ausgehandelt werden. Zu beachten ist, dass es bei Immobilien empfehlenswert ist, zwischen dem Markt für (erzeugtes und vermehrbares) Sachkapital, wie etwa Gebäude, und dem Markt für (natürlich vorhandenen und begrenzten) Grund und Boden, der eine Naturressource ist, zu unterscheiden, um das oben angesprochene »intergenerationelle Recycling« zu ermöglichen.

Die Allokation des Geldkapitals, das als Fremd- oder Eigenkapital für Investitionen in Sachkapital bereitgestellt wird, erfolgt über die Finanz- und Aktienmärkte, auf denen im Spannungsfeld von Angebot und Nachfrage die Zinsen bzw. die Emissionskurse und die laufenden Kurse ausgehandelt werden.

5. Die Produktionsfaktoren im Wettbewerb

Unter einer marktwirtschaftlichen Ordnung stehen die Faktoranbieter innerhalb eines jeden Produktionsfaktors wie auch zwischen den Produktionsfaktoren im Wettbewerb miteinander. Zum Beispiel stehen Arbeitskräfte untereinander, aber auch mit den Naturressourcen und besonders mit dem Sachkapital im Wettbewerb, weil alle drei Faktoren bis zu einem vom technologischen Entwicklungsstand abhängigen Grad gegenseitig austauschbar (substituierbar) sind. Wie konstruktiv der Wettbewerb auf den Faktormärkten im Sinne effizienter Faktorallokation und gesellschaftlicher Wohlfahrt verläuft, hängt vom Grad der sozialen und ökologischen Ausrichtung der wirtschaftspolitischen Rahmenordnung und ihrer Regeln ab.

6. Neoliberaler Faktorwettbewerb

Bei Deregulierung, wie sie im Zuge der gegenwärtigen neoliberalen Globalisierung praktiziert wird, entsteht grenzüberschreitender Faktorwettbewerb, der einen risikobehafteten Faktorpreisausgleich bewirkt. (siehe dazu auch den Artikel Faktorpreisausgleich).

Unter den Bedingungen der herrschenden neoliberalen Wirtschaftsdoktrin heißt das für die einzelnen Produktionsfaktoren:

Faktor Arbeit: In entwickelten Ländern werden die Löhne infolge des direkten grenzüberschreitenden Wettbewerbs von der Produktivitätsentwicklung abgekoppelt und sinken, so dass Produktivität, Löhne und Kaufkraft aus dem Gleichgewicht geraten und die Wirtschaftskreisläufe schädigen, während die Löhne in unterentwickelten Ländern in global wettbewerbsfähigen Branchen steigen. In Ländern, die sich im Übergangszustand befinden (Schwellenländer wie etwa China), können beide Phänomene, nach Branchen getrennt, gleichzeitig auftreten.

Faktor Naturressourcen: Sein Preisniveau sinkt, bezogen auf die Quasi-Leitwährungen US-Dollar und Euro, so tief, wie es das globale Wechselspiel von Angebot und Nachfrage und das Wissen oder die Furcht vor Knappheit und Ausbeutung jeweils erlauben, ohne dass damit wirksame Anreize für eine nachhaltige Nutzung verbunden sind. Die offenen Märkte und die (absoluten) Dollar- oder Europreise sind dafür verantwortlich, dass sich die Handelsströme der beweglichen Naturressourcen und vieler der aus ihnen erzeugten Zwischen- und Endprodukte überwiegend von den unterentwickelten (kapitalarmen) zu den hochentwickelten (kapitalreichen) Ländern bewegen.

Faktor Kapital: Das Sach- und Geldkapital strebt grenzüberschreitend dorthin, wo es im Verein mit den niedrigsten Löhnen und Ressourcenpreisen die höchste (isolierte) Kapitalrendite erzielen kann.

Faktorwettbewerb und Faktorpreisausgleich auf offenen (deregulierten) globalen Märkten, mit denen die Erwartung weltweiter Wohlfahrtsgewinne verbunden ist, erweisen sich in der neoliberalen Praxis, wie dargestellt, als äußerst ineffizient, das heißt: als zerstörerisch.

7. Zukunftsfähiger Faktorwettbewerb

In einer sozialökologisch geregelten Marktwirtschaft muss sich der direkte Faktorwettbewerb (und Austausch bzw. Handel) mit absoluten Löhnen, Preisen und Zinsen ausschließlich innerhalb der Grenzen autonomer Wirtschaftsräume vollziehen. Der grenzüberschreitende Faktorwettbewerb und Austausch bzw. Handel muss dagegen durch verbindliche Vereinbarungen zwischen autonomen Wirtschaftsräumen gestaltet werden: Bei Arbeitskräften wird der grenzüberschreitende Wettbewerb durch einen geregelten Austausch erzielt. Bei Naturressourcen und materiellem Sachkapital erfordert der Außenwettbewerb und Handel bilateral vereinbarte Wechselkurse, die regelmäßig so zu berechnen sind, dass sie die unterschiedlichen Preisniveaus (und indirekt die unterschiedlichen Produktivitätsniveaus) im Schnitt neutralisieren und damit, im Gegensatz zum Binnenwettbewerb, einen Außenwettbewerb und Handel auf der Grundlage relativer Preise ermöglichen, der gegenseitige Wohlstandsgewinne ermöglicht. Alles in allem sind für einen zukunftsfähigen Faktorwettbewerb bilaterale Handelsvereinbarungen unabdingbar. Was hier für den Wettbewerb und Handel mit Produktionsfaktoren dargestellt ist, gilt selbstverständlich ebenso für den Wettbewerb und Handel mit Endprodukten (Investitions- und Konsumgüter sowie Dienstleistungen). Siehe dazu auch die Artikel Komparativer Vorteil – aufgewertet sowie Zukunftsfähiger Außenhandel.

Mit immateriellem Sachkapital (Patenten und gespeichertem Wissen) ist dagegen ein direkter grenzüberschreitender Wettbewerb und Handel auf der Grundlage absoluter Preise vorteilhaft. Dieser Handel, der dem weltweiten Fortschritt dient, kann und sollte unabhängig vom bilateralen materiellen Handel und im Rahmen multilateraler Abkommen vereinbart werden. Denn immaterielle Güter entfalten, wenn sie ergänzend zu einem bilateralen materiellen Handel mit relativen Preisen gehandelt werden, eine sehr konstruktive Wirkung, weil sie in diesem Umfeld keine endgültigen, existenzgefährdenden Verdrängungen verursachen. Wettbewerbsnachteile können jederzeit durch neu erworbenes geistiges Eigentum überwunden werden.
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