Skalenerträge und Produktivität

Sinkende Stückkosten durch wachsende Produktionsmengen

Ein Artikel im Kompendium der marktwirtschaftlich-sozialökologischen Ökonomik

Zentrale Fragen angesichts der neoliberalen Krise:
Wie sind Beschäftigung und faire Einkommen zu sichern?
Wie kann die Umwelt effektiv geschützt werden?
Wie ist die wirtschaftliche Globalisierung zu gestalten?
Welchen Beitrag kann die Wirtschaftswissenschaft leisten?
Welche Aufgaben muss die Wirtschaftspolitik wahrnehmen?
Wie ist die Wirtschaftspolitik demokratisch zu legitimieren?

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Hier geht’s zur englischsprachigen Version: Scale Economies and Productivity

Inhaltsverzeichnis

  1. Überblick
  2. Skalenerträge (economies of scale)
  3. Verbundvorteile (economies of scope)
  4. Betriebswirtschaftliche versus volkswirtschaftliche Produktivität
    > Typische soziale Indikatoren
    > Typische ökologische Indikatoren
  5. Die Verabsolutierung von Skalenerträgen
  6. Die sozialökologische Einbindung von Skalenerträgen

1. Überblick

Die zunehmende Zentralisierung und Massenproduktion der »liberalisierten« globalen Wirtschaft wird mit sinkenden Stück- und Transaktionskosten aus sogenannten Skalenerträgen gerechtfertigt. Diese seien für Produktivitätszuwächse und weltweiten Wohlstand absolut notwendig, heißt es. Dahinter verbirgt sich jedoch – bei zugleich zunehmender Konzentration des produktiven Kapitals – eigennütziges Streben nach höchster Kapitalrendite. Alle sozialen und ökologischen Indikatoren weisen darauf hin, dass die Zentralisierung wirtschaftlicher Aktivität hohe Kosten in Gesellschaft und Umwelt verursacht, dass Wohlstand und Wohlfahrt nur aus dezentraler (subsidiärer), demokratisch gestalteter Wirtschaftsstruktur und dezentraler Verantwortung erwachsen können, und dass Skalenerträge nur unter diesen politischen und strukturellen Bedingungen eine nachhaltig förderliche Wirkung entfalten.

2. Skalenerträge (economies of scale)

SkalenerträgeJPG01Skalenerträge, auch Größenkostenersparnisse genannt, können in Unternehmen erzielt werden, wenn die Ausbringungsmenge (der Output) eines Produktionsprozesses wächst. Skalenerträge sind sowohl in der Güterproduktion möglich – und führen dort zu sinkenden Stückkosten – als auch bei der Erbringung von Dienstleistungen, wo sie sinkende Transaktionskosten bewirken. Zu beachten ist, dass Skalenerträge durch den höheren Koordinierungsaufwand, der bei höherer Arbeitsteilung entsteht, gemindert oder aufgezehrt werden können.

Skalenerträge entstehen, indem bei wachsendem Output sich …

  1. der Anteil der fixen Kosten je produzierter Einheit verringert sowie
  2. Kosten durch höhere Arbeitsteilung,
  3. differenziertere Produktionsmittel,
  4. besser aufeinander abgestimmte Fertigungsstufen,
  5. optimale Losgrößen, und
  6. insgesamt durch zunehmende Erfahrung eingespart werden.

3. Verbundvorteile (economies of scope)

GrößenvorteileJPG02Skalenerträge sind von Verbundvorteilen zu unterscheiden, die in Mehrproduktunternehmen (Konglomeraten) zwischen unabhängigen Produktionen erzielt werden können. Dies geschieht, indem Synergien (Effekte des Zusammenwirkens) zwischen gleichartigen Wertschöpfungsstufen für Kostensenkungen genutzt werden, zum Beispiel durch eine vollständige oder teilweise Verschmelzung zuvor unabhängiger Abteilungen in Forschung und Entwicklung, Produktion, Einkauf oder Verwaltung. Die größten Einsparungen ergeben sich dabei in der Regel durch einen Personalabbau bei doppelt besetzten Arbeitsplätzen. Allerdings sind Verbundvorteile wesentlich schwieriger zu realisieren als Skalenerträge, weil mögliche Synergien in der Praxis durch unverträgliche unternehmerische Kulturen gemindert oder gar verhindert werden können.

Sowohl Skalenerträge als auch Verbundvorteile sind ein wesentlicher Anreiz und eine Ursache für Unternehmenskonzentrationen, die durch Zusammenschlüsse von Unternehmen oder Übernahmen kleinerer durch größere Unternehmen herbeigeführt werden. Ohne wirtschaftspolitische Regelung, wenn zum Beispiel auf Kartellgesetze verzichtet wird, münden die Anreize in einen fortgesetzten Prozess der Konzentration von wirtschaftlicher Macht und wirtschaftlichem Kapital – einschließlich der damit einhergehenden Zentralisierung der wirtschaftlichen Strukturen sowie der flächendeckenden De-Industrialisierung peripherer Gebiete.

Jeder Konzentrationsprozess wird durch das »natürliche« und eigentlich volkswirtschaftlich erwünschte unternehmerische Streben nach höchster Kapitalrendite angetrieben. Ungeregelte Konzentrationsprozesse erzeugen jedoch unkontrolliert hohe externe Kosten in Gesellschaft und Umwelt, die weder in die unternehmerischen Bilanzen eingehen noch in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen ausgewiesen werden. Die tatsächlichen Produktivitäten sind dann niedriger als die ausgewiesenen (Schein-) Produktivitäten, und können sogar negativ sein. Negative Produktivitäten sind gleichzusetzen mit der substantiellen Zerstörung der wirtschaftlichen Produktionsfaktoren (Arbeit, Naturressourcen und Kapital). Siehe dazu auch den Artikel Effizienz und Produktivität.

4. Betriebswirtschaftliche versus volkswirtschaftliche Produktivität

Betriebswirtschaftliche Produktivität ergibt sich aus dem Verhältnis des für eine Produktion erforderlichen Aufwandes an Arbeit, Naturressourcen und Sachkapital (des Inputs) zum erzielten Output an Gütern oder Dienstleistungen. Wenn der Output bei gleichbleibendem Input wächst oder bei verringertem Input gleich bleibt, steigt die Produktivität. Skalenerträge und Verbundvorteile sorgen deshalb für Zuwächse an betriebswirtschaftlicher Produktivität. Die rein betriebswirtschaftliche Betrachtung sagt allerdings bei der gegenwärtig betriebenen wirtschaftspolitischen Deregulierung nichts darüber aus, ob die von einem Betrieb ausgewiesene Produktivität in gleichem Maße zur volkswirtschaftlichen Produktivität beiträgt.

Eine der größten (und selten gemeisterten) Herausforderungen der Wirtschaftspolitik besteht deshalb darin, die betriebswirtschaftlichen Prozesse, insbesondere bezüglich der Konzentration von Macht und Kapital, so zu regeln, dass die Unternehmen mit positiver, sozial- und umweltverträglicher Produktivität wirtschaften, so dass auch das volkswirtschaftliche Aggregat aller unternehmerischen Produktivitäten positiv ist. Die verbreitete Nutzung von Skalenerträgen und Verbundvorteilen lässt allein weder Rückschlüsse auf die tatsächlich erwirtschaftete Produktivität von Unternehmen noch auf die tatsächliche Produktivität von Volkswirtschaften zu.

Erste Voraussetzung für positive Produktivität ist der effiziente Einsatz (die effiziente Allokation) der Produktionsfaktoren »Arbeit« und »Naturressourcen«. Die höchste Effizienz des Faktoreinsatzes und die höchste Produktivität der Produktionsprozesse werden, kurz gesagt, bei nachhaltiger Vollbeschäftigung und nachhaltigem Umweltschutz erreicht, wenn zugleich die geringsten externen Folgekosten auftreten.

Auf die Praxis bezogen heißt das: Eine positive volkswirtschaftliche Produktivität ist nur zu erzielen, wenn die von der Gesamtheit aller wirtschaftlichen Aktivitäten ausgehende Gefahr sozialer Kosten sowie die unvermeidlich verursachten ökologischen Kosten (insgesamt die unvermeidlichen Ineffizienzen) durch wirtschaftspolitische Regelungen vermieden bzw. kompensiert werden. Und zwar einerseits durch dynamische Anpassung von Arbeitszeiten und Löhnen an das Wachstum der Produktivität sowie andererseits durch Wiederaufarbeitung beschädigter nicht-erneuerbarer Ressourcen und Regeneration erneuerbarer Ressourcen, Oder anders ausgedrückt: Durch Maßnahmen zur dauerhaften Teilnahme aller erwerbsfähigen Bürger an der wirtschaftlichen Wertschöpfung einschließlich ihrer gerechten Teilhabe am Wirtschaftsergebnis (zur Aufrechterhaltung der Wirtschaftskreisläufe) sowie durch Maßnahmen des technischen bzw. biologischen Recyclings von Naturressourcen.

Dann, und nur dann, verursacht wirtschaftliche Produktion keine unwiderruflichen Substanzverluste in Gesellschaft und Umwelt, nur dann trägt sie zu nachhaltig optimaler Wohlfahrt bei. Volkswirtschaftliche Produktivität hat also vor allem eine originäre soziale und ökologische Funktion, und die Wirtschaftspolitik muss Regeln festlegen, damit diese Funktion erfüllt werden kann. Der soziale Aspekt dieses Sachverhalts kommt in dem geflügelten Wort zum Ausdruck: Die Wirtschaft ist für den Menschen da, und nicht umgekehrt. Analog dazu lässt sich für den ökologischen Aspekt formulieren: Die Wirtschaft ist von der Natur abhängig, und nicht umgekehrt.

Die zunächst schlicht erscheinende Input-Output-Rechnung, die für die betriebswirtschaftliche Produktivität angewendet wird, muss demnach um soziale und ökologische Parameter ergänzt werden. Diese Parameter müssen in gesetzliche Auflagen und Besteuerungen integriert werden, so dass die betrieblichen Produktivitäten genau und wahrheitsgemäß berechnet und in den Bilanzen ausgewiesen werden, dass die Grundlage geschaffen wird, um auch die volkswirtschaftliche Produktivität ebenso zu berechnen und in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung auszuweisen, und dass die Wirtschaft mittels Auflagen und Besteuerungen in Richtung Wohlfahrtsoptimum gesteuert werden kann.

Da die Indikatoren, aus denen die Parameter abgeleitet werden, größtenteils qualitativer Natur sind, müssen sie, bevor sie als Parameter in gesetzliche Auflagen und Besteuerungen sowie in die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung eingehen, quantifiziert (monetarisiert) werden. Siehe ergänzend den Artikel Nachhaltige gesellschaftliche Wohlfahrt.

Typische soziale Indikatoren sind,

positiv ausgedrückt: Gesundheitszustand der Erwerbspersonen, Gleichverteilungsgrad der Einkommen, Einkommensanteil von Kindern sowie die Erwerbstätigenquote;

negativ ausgedrückt: arbeitsbedingte Krankheiten, Ungleichverteilung von Einkommen, Kinderarmut und Arbeitslosenquote.

Typische ökologische Indikatoren sind,

neutral ausgedrückt: die Verfügbarkeit bzw. Knappheit nicht-erneuerbarer Ressourcen sowie der Grad ihrer Wiederverwendung (technisches Recycling), und der Zustand erneuerbarer Ressourcen wie Boden, Luft, Wasser, Fauna und Flora sowie der Grad ihrer Regeneration (biologisches Recycling).

Die Definition volkswirtschaftlicher Produktivität lässt erkennen, dass es nicht in der Verantwortung des einzelnen Unternehmers liegen kann, gesamtgesellschaftliche Zukunftsvorsorge zu betreiben. Unternehmern bleibt zunächst keine andere Wahl, als innerhalb des vorgegebenen gesetzlichen Rahmens (der Rahmenordnung) aktiv und zum eigenen Wohle zur Wertschöpfung beizutragen. Wenn sie sich, ethischen Überzeugungen folgend, weit über den gegebenen Rahmen erheben würden, gefährdeten sie unweigerlich ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit. Ungeachtet ihrer unternehmerischen Tätigkeit sind sie jedoch als Bürger aufgefordert, sich für eine wohlfahrtsorientierte Wirtschaftspolitik einzusetzen.

In demokratisch verfassten Rechtsstaaten liegt es in der Verantwortung der wahlberechtigten Bürger (des Volkssouveräns) im Zuge der politischen Willensbildung und Entscheidungsfindung dafür zu sorgen, dass der Eigennutz der Unternehmer zugleich zum Gemeinwohl beiträgt. Wie schwierig es für die Bürger ist, ihrer diesbezüglichen Verantwortung in der Auseinandersetzung mit mächtigen industriellen Akteuren gerecht zu werden, die ihre finanziellen Mittel für eine Indoktrination der Öffentlichkeit nutzen, zeigt die wirtschaftspolitische Entwicklung der vergangenen dreißig Jahre: Sie hat in eine doktrinäre Sackgasse der »Marktliberalisierung« geführt. Kennzeichnend für diesen neoliberalen Zustand sind die wiederholten Bankrotterklärungen von Politikern, die behaupten, es sei Aufgabe »der Wirtschaft«, nicht der Politik, Arbeitsplätze zu schaffen. Diese Erklärungen sind Ausdruck des Umstands, dass immer mehr wirtschaftspolitische Vollmachten im Zuge der »Marktliberalisierung« an transnational agierende unternehmerische Oligarchien übertragen werden, die ihre Macht nutzen, um nationale und supranationale Gesetzgebungen, auch in der EU, sowie die Entscheidungen in der Welthandelsorganisation (WTO) in ihrem Sinne zu beeinflussen (siehe dazu auch die Artikel Welthandelsorganisation (WTO), Krisenverursacher EU und WTO und Undemokratische EU-Organe).

5. Die Verabsolutierung von Skalenerträgen

Im Zuge der »Marktliberalisierung« wird der nationalstaatliche Einfluss einschließlich des subnationalen Einflusses (beispielsweise von Bundesländern und Kommunen in Deutschland) immer weiter zurückgedrängt und durch supranationale Institutionen wie EU und WTO ersetzt. Mit der Zentralisierung wirtschaftspolitischer Entscheidungen schwindet zugleich deren demokratische Legitimität. Für die Erzielung positiver volkswirtschaftlicher Produktivität hat das einschneidende Folgen: Da die wirtschaftspolitische Regelung interessengesteuert »liberalisiert« wird, geraten die Belange der menschlichen Arbeit und der natürlichen Ressourcen in die Abhängigkeit des in immer weniger Händen konzentrierten Produktionskapitals. Ökonomisch ausgedrückt, wird die Effizienz der Produktionsfaktoren »Arbeit« und »Naturressourcen« der Effizienz des Faktors »Kapital« untergeordnet, so dass die Kapitalrendite, abgesegnet von einer rudimentären Wirtschaftspolitik, zum alles entscheidenden Kriterium des unternehmerischen Handelns und der Wirtschaftspolitik wird. Dieser Sachverhalt ist Indiz für die gegenwärtig festzustellende kapitalistische Entgleisung der neoliberalen Marktwirtschaft. Das bedeutet, dass die Gesamteffizienz des Faktoreinsatzes negativ ist und somit auch die Gesamtproduktivität negativ ist, weil eine isolierte Effizienz des abgeleiteten (besser: abhängigen) Faktors Kapital zulasten der originären Faktoren Arbeit und Naturressourcen ökonomisch nicht möglich ist. Anders gesagt: Das Produktionskapital ist als abhängiger Produktionsfaktor auf die Unversehrtheit der originären Faktoren Arbeit und Naturressourcen auf Gedeih und Verderb angewiesen. Wenn dieser Grundsatz missachtet wird, entsteht unabwendbar eine negative Gesamtproduktivität, also ein Prozess der wirtschaftlichen Zerstörung.

Der Wettbewerbs- und Kostendruck auf offenen globalen Märkten »zwingt« die Unternehmen, Skalenerträge und Verbundvorteile durch Zusammenschlüsse und Übernahmen zu organisieren sowie ihre Arbeits- und Umweltkosten auch darüber hinaus zu senken. Das tun sie vorrangig, indem sie den Kostendruck an die nationalstaatlichen Politiken weitergeben und sie zum Komplicen des systembedingten Sozial- und Öko-Dumpings machen, das für die herrschende Wirtschaftsdoktrin so charakteristisch ist.

Die eigentlich sozial und ökologisch definierte volkswirtschaftliche Produktivität wird dabei auf eine schlichte, von sozialen und ökologischen Kosten abstrahierte Input-Output-Rechnung reduziert, wie sie derzeit für die betrieblichen Bilanzen angewendet wird. Volkswirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Produktivität werden also nach der gleichen Formel berechnet. Der Input zu den Produktionsprozessen wird durch implizite und explizite Externalisierungen von sozialen und ökologischen Kosten künstlich verringert, während der Output durch Skalenerträge und Verbundvorteile künstlich gesteigert wird. Die entsprechenden Veränderungen beider Größen suggerieren fortgesetzten betriebs- und volkswirtschaftlichen Produktivitätszuwachs.

Da die externalisierten Kosten in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nicht erfasst werden, fehlen für ein wirtschaftspolitisches Gegensteuern die Daten. Ungeachtet dessen kann der tatsächliche Zustand von Gesellschaft und Umwelt jedoch aus einer ganzen Reihe anderer Statistiken ermittelt werden, besonders aus denen, die Unterbeschäftigung, Armut, Klimawandel und Artensterben widerspiegeln. Auf dieser Grundlage kann als gesichert gelten, dass die volkswirtschaftlichen Kosten die Gewinne derzeit bei weitem übersteigern, dass die Substanzverluste in Gesellschaft und Umwelt bereits ein dramatisches Ausmaß angenommen haben, und dass die tatsächliche volkswirtschaftliche Produktivität seit Jahren negativ ist.

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Im kostenbedingten Konzentrationsprozess auf offenen globalen Märkten und bei rückläufiger wirtschaftspolitischer Regelung werden Sozial- und Umwelt-Dumping sowie Skalenerträge und Verbundvorteile genutzt, um die ausgewiesenen Produktivitäten bei möglichst geringem Input-Aufwand und größtmöglichem Output der Produktionen zu erhöhen und möglichst hohe Kapitalrenditen zu erzielen. Soziale und ökologische Kosten werden auf die Allgemeinheit und in die Zukunft verlagert und weder in den betrieblichen noch in den volkswirtschaftlichen Bilanzen berücksichtigt. Es entsteht der Eindruck stetig wachsender betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Produktivitäten, während in Wirklichkeit scheinproduktiv gewirtschaftet wird und die unkontrollierten und verdeckten Substanzverluste in Gesellschaft und Umwelt ein gefährliches Ausmaß annehmen. Für weitere Details empfehle ich die Artikel Exzesse des Kapitalismus und Wirtschaftliches Dumping.

6. Die sozialökologische Einbindung von Skalenerträgen

Skalenerträge sind für den Produktivitätsfortschritt und den dadurch erzeugten gesellschaftlichen Wohlstand auch unter sozialökologischen Bedingungen unverzichtbar. Für Verbundvorteile gilt diese generelle Aussage hingegen nicht, sie sind in einer sozialökologisch ausgerichteten Marktwirtschaft, die ihrer Natur nach dezentral strukturiert ist, weitgehend verzichtbar. Für Skalenerträge gilt: Die durch sie erzielten Produktivitätszuwächse tragen zum allgemeinen Wohlstand und zu nachhaltiger Wohlfahrt nur bei, wenn sie zum einen mit sozialen Erträgen einhergehen, die sich bei steigender Produktivität vor allem, wie oben schon erwähnt, in Arbeitszeitverkürzungen und Lohnerhöhungen manifestieren, und wenn sie zum anderen frei von einschneidenden Umweltkosten sind und unvermeidliche Umweltbeschädigungen in nachgeordneten Prozessen des technischen bzw. biologischen Recyclings rückgängig machen.

Der Forderung nach effizienter Allokation der Faktoren Arbeit und Naturressourcen steht zunächst das natürliche unternehmerische Streben nach maximaler Kapitalrendite, maximaler Kapitalkonzentration und maximalen Skalenerträgen entgegen. Weil das so ist, muss die sozialökologische Wirkung von Skalenerträgen über den Umweg der strukturbildenden wirtschaftspolitischen Regelung erzielt werden. Das heißt konkret: Verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik ist grundsätzlich mit der Pflicht verbunden, den natürlichen Konzentrationsprozess mittels progressiver Besteuerung so zu begrenzen, dass die produzierenden Betriebsstätten in einem dynamischen Prozess immer wieder in subsidiäre, Wohlstand und Wohlfahrt sichernde Strukturen zurückgeführt werden.

Diese Regelung führt zu einer pyramidenartigen Struktur mit mehreren Ebenen, in der die Kapitalintensität der Produktionen von den unteren zu den oberen Ebenen hin zunimmt und die Arbeitsintensität entsprechend abnimmt. Damit ist jede Produktion den Anforderungen ihrer Branche gemäß auf der produktionstechnisch tiefstmöglichen Ebene angesiedelt. Auf der untersten Ebene befindet sich flächendeckend die Vielzahl der arbeitsintensiven Produktionen aus Handwerk, Einzelhandel und Kleingewerbe, auf der obersten Ebene befindet sich die kleine Zahl der sehr kapitalintensiven Produktionen und Dienstleistungen wie etwa Halbleiterfertigung und Grundlagenforschung – verteilt auf wenige Standorte. Die durch subsidiäre Strukturen gegebene wirtschaftliche Vielfalt ist zugleich Voraussetzung für dezentrale Verantwortung und Vollbeschäftigung sowie für breit angelegte Innovation, qualitatives Wachstum und nachhaltigen Fortschritt.

Skalenerträge entfalten nur dann eine positive volkswirtschaftliche Wirkung, wenn sie innerhalb einer sozial und ökologisch optimierten Wirtschaftsstruktur genutzt werden. Anders ausgedrückt: Volkswirtschaftliche Gewinne aus Skalenerträgen ergeben sich nur bei optimal subsidiärer Größenstruktur der Betriebsstätten, nicht bei zentralistisch aufgebauter Produktion.

Die sozialökologische Wirkung von Skalenerträgen wird zusätzlich abgesichert, wenn die wirtschaftlichen und politischen Strukturen subsidiär übereinstimmen. Durch die Kongruenz der Strukturen werden dezentrale Verantwortung und widerspruchsfreie wirtschaftspolitische Entscheidungen gefördert. Die sozialen Gewinne ergeben sich aus der geographisch verteilten Vielfalt der Produktionen und aus der dadurch gegebenen Deckung der Arbeitsnachfrage der Unternehmen mit dem Arbeitsangebot der Erwerbsbevölkerung. Vollbeschäftigung und Kaufkraft werden bei steigender Produktivität durch Arbeitszeitverkürzungen und Lohnerhöhungen aufrechterhalten, die zugleich die Wirtschaftskreisläufe in Gang halten und das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht sichern. Die Vermeidung ökologischer Verluste ergeben sich aus der dezentralen Verantwortung der wirtschaftlichen Akteure für Ressourcen und Energieversorgung sowie aus kurzen Transportwegen.

Ergänzend empfehle ich die Artikel Wirtschaftliche Subsidiarität und Wirtschaftliche Regionalisierung.

Der praktische Aufbau subsidiärer Wirtschaftsstrukturen unter den Bedingungen der neoliberalen Globalisierung als Einstieg in eine post-neoliberale Wirtschaftsordnung wird in dem Artikel Aufbau subsidiärer Wirtschaftsstrukturen behandelt.

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