Technologische Fixierung

Die Fixierung auf technologische Innovation ist eine trügerische Zukunftssicherung

Ein Artikel im Kompendium der marktwirtschaftlich-sozialökologischen Ökonomik

Zentrale Fragen angesichts der neoliberalen Krise:
Wie sind Beschäftigung und faire Einkommen zu sichern?
Wie kann die Umwelt effektiv geschützt werden?
Wie ist die wirtschaftliche Globalisierung zu gestalten?
Welchen Beitrag kann die Wirtschaftswissenschaft leisten?
Welche Aufgaben muss die Wirtschaftspolitik wahrnehmen?
Wie ist die Wirtschaftspolitik demokratisch zu legitimieren?

Hier geht’s zur Liste aller Artikel: Kompendium

Inhaltsverzeichnis

  1. Überblick
  2. Ausgangslage
  3. Der Glaube an technologische Patentrezepte
  4. Reparaturen am Ende der Wertschöpfungskette
  5. Fragwürdige Innovations-Initiativen
  6. Zwei Beispiele neoliberaler Technologiefixierung
  7. Ausblick

1. Überblick

Der Verzicht auf nationale und supranationale wirtschaftspolitische Autonomie und ihre sukzessive Verlagerung auf die Welthandelsorganisation werden durch ein doppeltes neoliberales Credo ersetzt: Die angeblichen Wohltaten »liberalisierter« Märkte und deren Rückversicherung durch zweifelhafte technologische Innovation. Dass diese Kombination nicht zukunftssicher ist, lässt sich an vielen Beispielen demonstrieren.

2. Ausgangslage

Der Erfolg, die Macht und die technologische Fixierung transnationaler Konzerne üben eine starke Wirkung auf den gesellschaftlichen Wertekanon und die politische Meinungsbildung aus. Diese Wirkung besteht erstaunlicherweise trotz aller rationalen Kritik an den Folgen unbedarfter Technologiegläubigkeit, und sie befindet sich zudem im Widerspruch zu dem verbreiteten Unbehagen, einer undurchschaubaren Entwicklung ausgeliefert zu sein.

Die Ambivalenz des technologischen Fortschritts hat unter den Bedingungen »liberalisierter« globaler Märkte zur Folge, dass die eigentlich dienende Funktion von Technologie und Technik für den gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Fortschritt ins Gegenteil verkehrt wird: Die Gesellschaft macht sich zum Sklaven einer industriellen Entwicklung, deren Verheißungen sie nicht verwerfen mag und vor deren Folgen sie die Augen verschließt. So trägt die neoliberale Entwicklung ihren Teil zur inneren Zerrissenheit der Gesellschaft bei. Aber ungeachtet dieser neoliberalen Erscheinungen gilt ganz grundsätzlich, dass die Hoffnung auf ein besseres Leben vergebens wäre, wenn sie sich nicht auch auf die technischen und technologischen Fähigkeiten stützen würde, die dem Menschen zueigen sind.

Da bestimmte Technologien im Wettbewerb auf »liberalisierten« globalen Märkten entscheidende Vorteile bringen, bedient sich die Industrie einer zwielichtigen Öffentlichkeitsarbeit, um neue Entwicklungen, die offenkundig oder mit hoher Wahrscheinlichkeit Risiken beinhalten, gesellschaftsfähig zu machen. Ein regelmäßig angewendeter Kunstgriff besteht darin, den Bürgern völlig undifferenziert eine grundlegende und für die globale Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland schädliche Technikfeindlichkeit zu unterstellen – und das, obwohl eher das Gegenteil zu beobachten ist: nämlich eine naive Technikgläubigkeit. Das schlechte kollektive Gewissen, das derartige Unterstellungen besonders bei den politischen Repräsentanten erzeugt, eignet sich anschließend bestens, um öffentliche Mittel für die Erforschung und Entwicklung weltmarktgängiger Technologien einzuwerben. Der unkritische politische Umgang mit der grünen Gentechnologie und die immer wieder aufflammende Diskussion über den angeblichen Beitrag von Atomkraftwerken zu Energiesicherung und Klimaschutz, selbst nach dem durch Fukushima beförderten »Ausstieg«, sind zwei aktuelle Beispiele für den Erfolg dieser Art von industrieller Öffentlichkeitsarbeit.

3. Der Glaube an technologische Patentrezepte

Da die unkritische Akzeptanz technologischer Lösungen im neoliberalen Umfeld eher zunimmt, geraten in vielen Fällen differenzierte Problemanalysen und nüchterne Abwägungen alternativer Lösungswege aus dem Blickfeld. Statt naheliegende Antworten zu suchen, werden technologische Patentrezepte ins Spiel gebracht und oft bereitwillig und übereilt Gelder dafür bereitgestellt. Diese Unbedarftheit führt dazu, dass in jeder beherrschbaren Technik ein gesellschaftlicher Fortschritt und die Vorstufe von Vermarktbarkeit, Wirtschaftswachstum und Wohlstand gesehen werden. Durch die undifferenzierte Technologiegetriebenheit der Wirtschaft und schließlich auch der Gesellschaft rücken vermeintliche technoökonomische Sachzwänge in den Vordergrund, die den Eindruck erwecken, sie seien naturgesetzlich zwingend und würden politische Diskurse und Entscheidungen über den Fortgang der gesellschaftlichen Entwicklung überflüssig machen.

Der naive Glaube, Technologie könne per se alle Probleme lösen und man könne daher die gesellschaftliche Zukunftsvorsorge getrost einer technologischen Entwicklung überlassen, die zugleich gesamtwirtschaftliche Erfolge verspricht, lässt sich gut an einigen Beispielen veranschaulichen:

Gegen Straßenlärm wird seit Jahren versucht, bezahlbaren und haltbaren »Flüsterasphalt« zu entwickeln und einzusetzen, statt Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuführen – bisher mit zweifelhaftem Erfolg. Gegen Pflanzenschädlinge wird pestizidresistentes Saatgut entwickelt, das die Bauern zur chemischen Zerstörung ihrer Böden verleitet, statt eine naturverträgliche Bewirtschaftung der Böden zu fördern. Und gegen vermeintlich schlechte Berufsaussichten werden Kinder nun schon im Vorschulalter an PCs herangeführt, statt sie durch Erzählen und Vorlesen in ihrem Sprachvermögen und ihrer sozialen Kompetenz zu fördern.

4. Reparaturen am Ende der Wertschöpfungskette

Eine besonders gefährliche, aus der Technikgläubigkeit hervorgehende Denkweise offenbart sich in der »Reparaturmentalität«. Davon sind besonders Fehlentwicklungen im Umweltbereich betroffen, deren Bekämpfung politisch keine hohe Priorität genießt und die in der Überzeugung bagatellisiert und aufgeschoben werden, sie seien jederzeit auch nachträglich technologisch in den Griff zu bekommen. Das führt dazu, dass Schäden nicht an der Quelle, am Beginn der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette verhindert werden, sondern erst an deren Ende mit dann unverhältnismäßig hohem Aufwand versucht wird, die Auswirkungen soweit überhaupt noch möglich zu begrenzen. Die Verursacher von Schäden, die von vornherein wissen, dass ihnen die Kosten nicht angelastet werden, verlieren infolge dieser Praxis jeden Anreiz, ihr Verhalten zu ändern. Was sich bis zum Ende der wirtschaftlichen Wertschöpfungskette an Schäden durch die Externalisierung unternehmerischer Kosten angesammelt hat, wird automatisch der Allgemeinheit überantwortet, ohne jedoch volkswirtschaftlich genau erfasst und quantifiziert zu werden.

Das tatsächliche Ausmaß von Zerstörungen bleibt infolgedessen solange im Dunkeln, bis es sich unübersehbar als nahende Katastrophe ankündigt. Dazu zwei Beispiele:

  1. Für sauberes Trinkwasser wird vielerorts in die nachgeschaltete und teure Wasseraufbereitung investiert, die von den Verbrauchern zu zahlen ist, statt die Folgekosten der von Industrie und Landwirtschaft ins Grundwasser geleiteten Schadstoffe in voller Höhe den Verursachern zu übertragen, die daraufhin sehr schnell ihr Verhalten zum Wohle der Allgemeinheit ändern würden.

    Die von der Stadt München in ihrem Wasserschutzgebiet geförderte ökologische Landwirtschaft ist übrigens eine löbliche Ausnahme und ein nachweislich erfolgreicher Weg, Schadstoffeinträge ins Grundwasser zu vermeiden.

  2. Zur Verhinderung von Staus und Unfällen, die infolge überhöhter Geschwindigkeit auftreten, werden auf deutschen Autobahnen seit Jahren aufwendige, zentral gesteuerte Anzeigetafeln mit wechselnden Angaben zur zulässigen Höchstgeschwindigkeit installiert, statt, wie es uns unsere Nachbarländer vormachen, eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen – die würde neben den nach wie vor hohen Unfallkosten überdies den Energieverbrauch, den Schadstoffausstoß, den Materialverschleiß, die Lärmemissionen und die gesundheitlichen Belastungen der Autofahrer senken.

5. Fragwürdige Innovations-Initiativen

Der Begriff Innovation steht in der neoliberalen Terminologie allgemein für Zukunftssicherung und ist mit der Verheißung neuer Arbeitsplätze verbunden. Zu diesem Zweck werden von Politik und Wirtschaft regelmäßig sogenannte Innovationsinitiativen ausgerufen, die inzwischen als eine Art Rauschmittel für die Verlierer des Systems verabreicht werden, um deren Glauben an eine rosige neoliberale Zukunft zu bewahren. Kennzeichnend für diese Initiativen ist der geballte Einsatz öffentlicher und privater Mittel, der damit gerechtfertigt wird, deutschen Unternehmen mittels technologischer Spitzenleistungen den Vorstoß in neue globale Märkte zu ermöglichen und Deutschland im globalen Wettbewerb auf die vorderen Plätze zu bringen (siehe dazu auch Wirtschaftlicher Wettbewerb). Das ansonsten verpönte Hochspielen nationaler Gefühle und Interessen in Verbindung mit dem Glauben an die historische Zwangsläufigkeit der neoliberalen Entwicklung macht es umso leichter, mögliche Gefahren beim Einsatz neuer Technologien herunterzuspielen oder zu leugnen. Aber es geht bei den Initiativen auch darum, das Vakuum, das eine unter neoliberalen Bedingungen vermeintlich überflüssige Wirtschafts- und Sozialpolitik hinterlässt, durch individualisierte Verantwortung auszufüllen.

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder hat diesen Aspekt zum »Jahr der Innovationen« 2004 in einem Leitspruch beispielhaft auf den Punkt gebracht, dessen politische, soziale und ökonomische Widersinnigkeit ihm ganz offenkundig damals nicht bewusst war:

»Jeder muss sich die Zukunft selbst durch Innovation für sich und die Gesellschaft erschließen.«

Konsequenter lässt sich das neoliberale Credo der individualisierten Verantwortung nicht zu Ende denken – besonders wenn es den abhängig Beschäftigten verkündet wird. Wenn Schröder damals nicht als Bundeskanzler dem Wohle des Landes verpflichtet gewesen wäre, könnte man ihm unter Umständen zugute halten, dass er einfach nur ausgesprochen hat, was längst Realität ist: Dass die deutsche Wirtschaftspolitik ihre Vollmachten nämlich längst bei der EU in Brüssel und der WTO in Genf abgegeben hat, um das Feld einem wirtschaftsdarwinistischen Kurs von globaler Dimension zu überlassen.

6. Zwei Beispiele neoliberaler Technologiefixierung

Erstes Beispiel: An der sogenannten grünen Gentechnik lässt sich demonstrieren, mit welch blindem Eifer versucht wird, auf eine außerhalb des Landes begonnene Initiative aufzuspringen und einen technologischen Rückstand um jeden Preis aufzuholen. Die Gentechnik-Initiative wird von transnationalen Biotechnologie-Konzernen vorangetrieben und will den intensiven Anbau gentechnisch veränderter Nutzpflanzen weltweit durchsetzen – wie sie selbst behauptet, um den Hunger in der Welt zu bekämpfen:

Seit Jahren steigt die Nervosität in Deutschland, nachdem in den USA bereits über 60 Prozent der Mais- und Sojaernte auf gentechnisch veränderte Sorten entfallen und weltweit schon eine Fläche von fast 100 Millionen Hektar – das entspricht der dreifachen Größe der Bundesrepublik Deutschland – für den Anbau von Genpflanzen registriert ist. Industrie, Universitäten und wissenschaftliche Institute wie die Max-Planck-Gesellschaft (MPI) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die an genehmigten Freilandversuchen beteiligt sind, träumen gemeinsam von paradiesischen landwirtschaftlichen Zuständen. Das Eindringen künstlicher Gene in natürliches Saatgut halten sie für unbedenklich, den Einsatz von Pestiziden und Herbiziden zusammen mit eigens dafür resistent gemachten Pflanzen für vertretbar und kostengünstig, die Auswirkungen auf die Bodenqualität für vernachlässigbar, gesundheitliche Schäden bei den Verbrauchern für nicht nachweisbar, und vor der Absicht der transnationalen Konzerne, die Landwirte von patentiertem Saatgut abhängig zu machen, verschließen sie die Augen. Das im deutschen Gesetzentwurf vorgesehene Verursacherprinzip, mit dem die Haftung für Verunreinigungen natürlichen Saatguts geregelt werden soll, bezeichnen sie als innovationsfeindlich und sehen die Innovationen dadurch ins Ausland abwandern. Insgesamt fühlen sie sich ungerecht behandelt, weil ihnen kein Vertrauensvorschuss zugestanden wird.

In einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung, veröffentlicht am 21. November 2013, schreibt Sigmar Groeneveld:

… Samen/Saatgut ist ein Erbgut. Es ist vielfältig und reichlich in allen Regionen dieser Welt kulturgeschichtlich entstanden. … Es ist kleinräumig an unterschiedlichste Naturräume und Nahrungsgewohnheiten angepasst: zum Beispiel als »floating rice« in den Überschwemmungsgebieten großer Flüsse in Indien oder Bangladesh oder auch als trockenresistente Landsorten in wüstennahen Gebieten Afrikas. … Der Saatgutindustrie und ihren wissenschaftlichen Helfern/Gentechnik-Ingenieuren ist dieser Reichtum ein Dorn im Auge. Mittels sogenannter Weltwirtschaftspflanzen, unverwechselbar oft so in der Erbsubstanz manipuliert, dass sie allein sogenannte Totalherbizide (Industriegifte) aushalten, … wird so aus dem kulturellen Saatgutreichtum eine knappe Ware, die von Bauern gekauft werden muss und sie in eine direkte Abhängigkeit zur Saatgutindustrie bringt. Dahin führt der Weg der Gentechnik …

Die Aktivisten des »Gen-Kartells« müssen sich fragen lassen, warum sie der Welt Experimente zumuten wollen, deren Folgen niemand abschätzen kann und die nach den wissenschaftlichen Maßstäben der Versicherer als nicht versicherbar gelten. Und warum sie ihre Investitionen, ihr Wissen und ihre ganze Energie nicht in den Dienst einer naturnahen Pflanzenzucht, möglicherweise auch einer naturverträglichen grünen Gentechnik, und einer ökologisch vertretbaren Landwirtschaft stellen, die ohne Pestizide und Herbizide auskommt und die weniger volkswirtschaftliche Folgekosten verursacht als jede andere Anbaumethode. Ergänzend empfehle ich den Artikel Freihandelsabkommen EU – USA, der die Gefahren des »Imports« von noch mehr Technikgläubigkeit sowie den »Investitionsschutz« für die verursachenden unternehmerischen Akteure behandelt.

Zweites Beispiel: Desertec ist ein Projekt, das von transnationalen Konzernen mit einem Zeithorizont bis 2030 geplant wird, um solarthermische Energie in Großkraftwerken in der Sahara zu gewinnen und den dort erzeugten Strom über Fernleitungen an die Verbraucher in Europa zu liefern. Zu diesem Projekt liefert die Initiative Eurosolar die treffende Analyse:

  1. Investitions- und Fördermittel für Desertec würden zulasten des Ausbaus der erneuerbaren Energien im eigenen Lande gehen. Desertec ist ein Versuch, die bestehenden zentralistischen Industriestrukturen zu zementieren und auch den Solarstrom unter oligopolistischen Bedingungen zu erzeugen und zu verteilen, um letzten Endes die Preise zu diktieren.
  2. Da die beteiligten Konzerne im neoliberal-globalen Dumping- und Verdrängungswettbewerb stehen, werden Produktionen und Arbeitsplätze des Projektes bei fortgesetzter »Marktliberalisierung« innerhalb kürzester Zeit in Billiglohnländer abwandern, so dass die heimischen Wirtschaftskreisläufe und der heimische Arbeitsmarkt keine Belebung erfahren.
  3. Die Vielzahl der an Desertec beteiligten nordafrikanischen, nahöstlichen und europäischen Länder, vor allem bei der Stromerzeugung und Stromdurchleitung, macht das Projekt zu einem technischen, finanziellen und politischen Risiko.
  4. Entscheidend aber ist: Deutschland könnte seinen Strombedarf bis 2040 zu 100 % aus heimischen erneuerbaren Energien decken, so dass Desertec bei seiner optimistisch bis 2030 zu erwartenden Fertigstellung und seinem avisierten Anteil von 15 % am europäischen Stromverbrauch schon obsolet wäre.

Die Einschätzung von Eurosolar hat sich bereits Mitte 2013 als hellsichtig erwiesen: Im Desertec-Konsortium ist über die politische Machbarkeit und die wirtschaftlichen Aussichten des Projekts ein Streit ausgebrochen; führende Personen und Partner sind aus dem Konsortium bereits ausgestiegen.

7. Ausblick

Die unternehmerische Forschung und Entwicklung steht derzeit sicherlich nicht im wünschenswerten Maße im Dienste des sozialen und ökologischen Fortschritts. Mit ihrer Fixierung auf globale Wettbewerbsfähigkeit im bestehenden Dumping- und Verdrängungswettbewerb und ihrer Illusion dauerhaften Wirtschaftswachstums bedient sie lediglich trügerische Hoffnungen auf mehr Beschäftigung und bessere Einkommensverteilung.

Unter neoliberalen Verhältnissen geraten neben unternehmerischen zunehmend auch staatliche Forschungsprogramme in den Sog wirtschaftlicher Zielsetzungen, so dass industrielle und staatliche Forschungsziele unter den eingebildeten Zwängen der neoliberalen Globalisierung zum Nachteil der gesellschaftlichen Daseinsvorsorge zusehends gleichgeschaltet werden. Dringend geboten ist eine Umorientierung industrieller wie staatlicher Programme in Richtung qualitativer, zukunftsorientierter Ziele.

Zum gesellschaftlichen Wertewandel, der eine Voraussetzung für die Hinwendung zu qualitativen Kriterien ist, müssen vor allem die drei großen Sozialwissenschaften ihren Teil beitragen: die Soziologie, die Politologie und die Wirtschaftswissenschaft. Das wird ihnen jedoch nur gelingen, wenn sie den Elfenbeinturm unverbindlicher »wissenschaftlicher Kontemplation« wie auch die Nähe zu neoliberaler Auftragsforschung verlassen und sich zu wertorientierter angewandter Forschung bekennen. Das heißt nichts weiter, als dass sie sich das schlichte Ziel setzen müssen, einen praktischen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft zu leisten. Dazu müsste im ersten Schritt die Trennung in Grundlagen- und angewandte Forschung aufgehoben werden. Denn nur Wissenschaftler, die beide Horizonte überblicken, haben im komplexen Umfeld einer hochentwickelten Industriegesellschaft eine Chance, zu praktisch überzeugenden Erkenntnissen vorzudringen.

Ergänzend empfehle ich die Artikel Wirtschaftliche Externalitäten, Wirtschaftliche Preisbildung, Wirtschaftliche Subsidiarität sowie Wirtschaft und Biosphäre.

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