Wirtschaft und Biosphäre

Der Einfluss der Wirtschaft auf das Gleichgewicht der Biosphäre

Ein Artikel im Kompendium der marktwirtschaftlich-sozialökologischen Ökonomik

Zentrale Fragen angesichts der neoliberalen Krise:
Wie sind Beschäftigung und faire Einkommen zu sichern?
Wie kann die Umwelt effektiv geschützt werden?
Wie ist die wirtschaftliche Globalisierung zu gestalten?
Welchen Beitrag kann die Wirtschaftswissenschaft leisten?
Welche Aufgaben muss die Wirtschaftspolitik wahrnehmen?
Wie ist die Wirtschaftspolitik demokratisch zu legitimieren?

Hier geht’s zur Liste aller Artikel: Kompendium

Inhaltsverzeichnis

  1. Überblick
  2. Die sozialökologische Problemstellung
  3. Das naturgesetzliche Fundament der Wirtschaft
    > Die Wärmelehre und das Gesetz der Unordnung
    > Die biologische Ordnung und ihre Gefährdung
  4. Stehen die Zeiger schon auf fünf vor zwölf?
  5. Sonnenenergie und Kreislaufwirtschaft als Schlüssel zur Nachhaltigkeit
  6. Die Vorteile subsidiärer Wirtschaftsstrukturen

1. Überblick

Dass menschliches Wirtschaften funktionsfähige biologische Kreisläufe und unbeschädigte natürliche Ressourcen voraussetzt, und dass die Wirtschaft ein der Biosphäre untergeordnetes System ist und wirtschaftliche Regeln den naturgesetzlichen folgen müssen, ist zwar bekannt, wird aber durch eine Wirtschaftsdoktrin untergraben, die im kurzsichtigen Eigennutz mächtiger Akteure eine Quelle allgemeinen Wohlstands sieht. Die Folgen dieser doktrinären Verblendung haben ein dramatisches Ausmaß angenommen. Die einzig denkbare Umkehr führt über lokale Verantwortung und lokales Handeln bei gleichzeitigem globalen Wissensaustausch und globaler Zusammenarbeit.

2. Die sozialökologische Problemstellung

Biosphäre2Die Einsicht in die Abhängigkeit wirtschaftlicher Aktivitäten von den Kreisläufen der Biosphäre ist für die Menschheit von existentieller Bedeutung. Die Abhängigkeit ergibt sich aus der unbedingten Notwendigkeit des wirtschaftlichen Zugriffs auf die natürlichen Ressourcen. Je umfangreicher der Zugriff ist und je substantieller die Beschädigungen sind, die den natürlichen Ressourcen durch die derzeitigen wirtschaftlichen Aktivitäten zugefügt werden, desto größer sind logischerweise die funktionellen Beeinträchtigungen beider Sphären, der biologischen und der wirtschaftlichen. Erschwerend für die Einsicht in diesen Zusammenhang kommt hinzu, dass sich die Beschädigungen erst zeitverzögert bemerkbar machen.

Aufgabe der Wirtschaftswissenschaft ist es deshalb, interdisziplinär modellhafte Vorstellungen zu entwickeln, wie der Schaden so gering wie möglich gehalten werden kann, so dass natürliche und wirtschaftliche Prozesse in einem beidseitig nachhaltigen Gleichgewichtszustand koexistieren können.

Die entscheidenden Fragen, die dazu zu beantworten sind, berühren gesellschaftliche, ökonomische, naturwissenschaftliche und politische Sachverhalte. Zum Beispiel:

  1. Gibt es tolerierbare Grenzwerte des Zugriffs auf und der Veränderung von Ressourcen, und wie können sie bestimmt und eingehalten werden?
  2. Lassen sich schädliche Veränderungen am Naturkapital notfalls rückgängig machen, und wenn ja, welche?
  3. Inwieweit lassen sich endliche, nicht-erneuerbare durch erneuerbare Ressourcen ersetzen (substituieren)?
  4. Welche Voraussetzungen sind bezüglich Technologie, Wirtschaftsstruktur, Siedlungsstruktur, Bevölkerungsdichte und politischer Regelung zu erfüllen?
  5. Wie sind die übergeordneten wirtschaftlichen Zielsetzungen wie Wachstum, Fortschritt, Wohlstand und Wohlfahrt sozialökologisch anzupassen?

3. Das naturgesetzliche Fundament der Wirtschaft

Anders als uns die Apologeten der neoliberalen Globalisierung glauben machen wollen, ist die sogenannte Liberalisierung der Weltwirtschaft nicht historisch zwingend, nicht alternativlos und auch nicht der Wohlfahrt verpflichtet. Sie ist einfach nur das Ergebnis ungezügelter finanzwirtschaftlicher und industrieller Interessen. Die Finanzmarkt-, Wirtschafts- und Überschuldungskrise, die 2008 ihren Lauf nahm, gibt erstmals auch einer breiten Öffentlichkeit Einblick in die unglaubliche Willkür, die an den Schalthebeln globaler Finanztransaktionen waltet. Dasselbe gilt übrigens ohne jede Einschränkung auch für die Transaktionen der Realwirtschaft, nur dass deren Willkür sich in der schleichenden Dauerkrise manifestiert, die uns im Laufe der letzten zwanzig Jahre zunehmende De-Industrialisierung, Arbeitslosigkeit, Ungleichverteilung und Armut gebracht hat.

Als Folge der 2008 einsetzenden Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise und der 2011 ins öffentliche Bewusstsein dringenden Überschuldungskrise waren die Akteure und Profiteure des Systems jeweils kurzzeitig in Deckung gegangen und verstummt, kurz danach aber schon wieder mit der Festigung der gescheiterten »Ordnung« beschäftigt. Aber das soll hier nicht das Thema sein (kann aber zum Beispiel in den Artikeln Wirtschaftliche Globalisierung, Autonome Wirtschaftspolitik und Krisenverursacher EU und WTO nachgelesen werden). Vielmehr ist festzuhalten, dass einzig die Naturgesetze zwingend und alternativlos sind, dass menschliches Wirtschaften diesen Gesetzen auf Gedeih und Verderb unterworfen ist, und dass es vermessen und kurzsichtig ist, die Wirtschaft als eine von diesen Gesetzen losgelöste Sphäre darzustellen.

Die Wärmelehre und das Gesetz der Unordnung

Die Begriffe Wärmelehre und Unordnung scheinen zunächst in keinem Zusammenhang zu stehen. Doch die naturgesetzliche Beziehung, die sich dahinter verbirgt, ist für unser Schicksal entscheidend, deshalb muss hier auf die physikalische Gesetzmäßigkeit hingewiesen werden: Es ist der 2. Hauptsatz der Thermodynamik (Wärmelehre), der auch Entropiesatz genannt wird, der besagt, dass in einem geschlossenen thermodynamischen System, also in einem System ohne Zufluss und Abfluss von Energie, die Unordnung immer größer wird. Von der Unordnung wird sowohl die Materie ergriffen, indem sich zum Beispiel unterschiedliche Stoffe gleichmäßig vermischen, als auch die Energie, indem sie sich von den wärmeren auf die kälteren Körper überträgt, bis schließlich im gesamten System ein einheitliches und damit nutzloses Energieniveau herrscht. Die Entropie ist das Maß für den Grad dieser Unordnung, oder genauer gesagt: für den Grad der materiellen und energetischen Durchmischung. Die Entstehung dieser Unordnung ist in einem geschlossenen System unausweichlich und unumkehrbar.

Die biologische Ordnung und ihre Gefährdung

Die biologische Evolution auf der Erde ist dagegen ein Prozess, bei dem per Saldo eine mikroskopische und makroskopische Ordnung entsteht. Die Ordnung, die wir kennen, ist dem Zufluss von kurzwelliger Sonnenstrahlung und dem Abfluss langwelliger Strahlung in den Weltraum zu verdanken. Die Erde ist also ein energetisch offenes System, jedenfalls solange der Fusionsprozess in der Sonne uns mit Energie versorgt. Energiezufluss und Energieabfluss bewirken zusammen eine Kompensation der irdischen Entropieproduktion einschließlich der biologischen Entropie. Eine derzeitige Besonderheit ist, dass der Energieabfluss in den Weltraum durch den erhöhten Kohlendioxydgehalt der Atmosphäre (den Treibhauseffekt) gebremst wird, so dass sich die irdische Entropie erhöht und die biologische Entwicklung einem anderen Gleichgewichtszustand zustrebt als dem, der noch vor der Industrialisierung herrschte und der eine sehr komplexe biologische Ordnung hervorgebracht hat – einschließlich des menschlichen Lebens.

Welche Auswirkungen die Übergangszustände und der womöglich »endgültige« Gleichgewichtszustand, dem wir zustreben, auf unser Leben haben werden, ist Gegenstand zahlreicher Forschungsvorhaben. Deren Vorhersagen sind naturgemäß vage und mit großen Unsicherheiten behaftet. Eines scheint aber, vorsichtig ausgedrückt, sicher zu sein: Die Nachteile werden die Vorteile bei weitem überwiegen!

Grundsätzlich und unabhängig vom menschlichen Eingriff betrachtet ist jeder Zustand der Biosphäre jeweils nur von kurzer Dauer, jedenfalls was die Beziehungen der Lebewesen untereinander und ihren Zugriff auf die natürlichen Ressourcen betrifft. Denn der Entwicklungsprozess verläuft sehr dynamisch. Man könnte die Entwicklung sowohl als eine Aneinanderreihung biologischer Gleichgewichtszustände als auch als eine Folge biologischer Ungleichgewichte auffassen. Entscheidend für den Fortbestand bzw. die Gefährdung der biologischen Ordnung ist jedoch das sogenannte Fließgleichgewicht, das so bezeichnet wird, weil die natürlichen Stoff- und Energiekreisläufe ‒ ohne menschlichen Eingriff ‒ zwar ständig im Fluss, aber auch jederzeit ausgeglichen sind. Erst die vom Menschen verursachte Überproduktion an Entropie hat zu einer Störung des Fließgleichgewichts geführt.

Das für unser (Über-) Leben notwendige Fließgleichgewicht wie auch die vorindustrielle biologische Ordnung, die sich durch ihre natürliche Vielfalt auszeichnete, sind erst gefährdet, seitdem wir in das materielle und energetische Gleichgewicht der Biosphäre übermäßig eingreifen. Der menschliche Eingriff umfasst alle für den Stoff- und Energiekreislauf und besonders für den Wasserkreislauf zuständigen ökologischen Subsysteme der Biosphäre: die Oberflächenschicht der Erdkruste, die Binnengewässer, die Weltmeere, die Atmosphäre, die Troposphäre und mittelbar auch die Lithosphäre, also die Rohstofflagerstätten. Etwas wissenschaftlicher ausgedrückt heißt das: Unsere biologische Ordnung ist gefährdet, seitdem die anthropogene Entropiezunahme von den biologischen, chemischen und physikalischen Prozessen der Biosphäre nicht mehr kompensiert werden kann.

Wie seriöse Schätzungen nahelegen (mehr dazu weiter unten) ist die Schwelle zur Gefährdung als Folge der Industrialisierung bereits in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überschritten worden, was vor allem im dramatischen Rückgang der Artenvielfalt einschließlich der Gefährdung unserer Nahrungskette sowie im Klimawandel zum Ausdruck kommt. Zwischen der irdischen Entropiezunahme infolge menschlicher Aktivitäten und dem Grad der globalen Umweltzerstörung besteht also ein direkter Zusammenhang, man könnte auch sagen, es handelt sich nur um zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen ein und desselben Phänomens.

Der US-amerikanische Ökonom Herman E. Daly weist in diesem Zusammenhang sehr eindringlich auf die Folgen ungebremsten quantitativen Wirtschaftswachstums hin. 2006 schrieb er auf der Website der University of Maryland:

»Ich sehe die Wirtschaft als ein offenes Subsystem, das bezüglich seiner Rohstoffquellen und Abfallsenken auf das natürliche Ökosystem angewiesen ist. Das Ökosystem ist endlich, nicht-wachsend und materiell geschlossen. Unsere Wirtschaft ist relativ zum Ökosystem so stark gewachsen, dass ihr Einfluss die natürliche Kapazität des Ökosystems zu überfordern droht, Ressourcen zu regenerieren und Abfall zu absorbieren. Für mich bedeutet das: die Richtung des wirtschaftlichen Fortschritts muss von Wachstum (quantitative Expansion) auf Entwicklung (qualitative Verbesserung) umgestellt werden.« (eigene Übersetzung aus dem Amerikanischen)

Übrigens: die Begriffe Biosphäre und Ökosystem sind hier synonym zu verstehen.

Dalys Gedankengang lässt sich vertiefen: Wie wir wissen, ist der heutige Zustand der Biosphäre das Ergebnis einer über 1,5 Milliarden Jahre dauernden biologischen Evolution. Die Wachstumsphase (die quantitative Expansion) des Systems wurde gleichwohl mit dem Aufbau einer optimalen Masse biologischen Materials und eines entsprechenden Gleichgewichts bereits vor Jahrmillionen abgeschlossen. Seither schwankt die Biomasse nur unbedeutend, entwickelt sich jedoch, wie schon während ihrer quantitativen Expansion, zu immer komplexeren Lebensformen weiter. Diese qualitative Entwicklung kann sich endlos fortsetzen, solange die Sonne unseren Planeten mit kurzwelliger Strahlung versorgt und langwellige Strahlung von der Erde in den Weltraum abgegeben werden kann.

Für unsere Wirtschaft ergeben sich aus der Einbettung in die Biosphäre sehr eindeutige Konsequenzen: Die quantitative Expansion des menschlichen Zugriffs, die sich auf den Verbrauch erneuerbarer und nicht-erneuerbarer Ressourcen einschließlich des Verbrauchs von Grund und Boden sowie auf die Verbreitung von Abfall und Abwärme erstreckt, muss unterhalb einer kritischen Größenordnung zum Stillstand gebracht oder schnellstens in den unkritischen Bereich zurückgeführt werden, solange noch die Chance für eine nachhaltige Koexistenz menschlichen Wirtschaftens mit den lebenserhaltenden Funktionen der Biosphäre besteht.

4. Stehen die Zeiger schon auf fünf vor zwölf?

Dass wir die kritische Größenordnung bereits überschritten haben, wird durch einen Bericht der US-amerikanischen Privatinitiative »Redefining Progress«[1] nahegelegt. Die Initiative hat eine Methode entwickelt, mit der sie den menschlichen Ressourcenverbrauch und die menschliche Abfallproduktion in Relation zur regenerativen Kapazität der Natur als »Ökologischen Fußabdruck« der Menschheit quantitativ erfasst. Solange der Fußabdruck innerhalb der regenerativen Kapazität (der Biokapazität) bleibt, ist er nachhaltig – darüber hinaus nicht mehr. Die Entwicklung des globalen Fußabdrucks von 1961 bis 2000 zeigt, dass wir die Nachhaltigkeitsgrenze weltweit ungefähr im Jahre 1976 überschritten haben und uns seither ununterbrochen und zunehmend im gefährlichen Bereich zur Neige gehender Ressourcen für Nahrung, Energie und Rohstoffe befinden. Da mit dem Fußabdruck Gifteinträge, Artensterben und Treibhauseffekt nicht erfasst werden, ist anzunehmen, dass der tatsächliche Zustand unserer irdischen Ressourcen noch schlechter ist, als der Bericht vermuten lässt. (Redefining Progress: Ecological Footprint of Nations, 2004)

5. Sonnenenergie und Kreislaufwirtschaft als Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Der Schlüssel für eine Abwendung der für das gesamte irdische Leben existentiellen Bedrohung liegt allein in der sofortigen und umfassenden Umstellung aller vom Menschen betriebenen Prozesse auf die Nutzung von Sonnenenergie – in all ihren verfügbaren Formen – sowie in der Umstellung der Prozesse einschließlich ihrer Produkte auf dauerhafte Kreisläufe der verwendeten Rohstoffe und Materialien. Bei einer konsequenten Umstellung lässt sich auf lange Sicht sogar die industriell angesammelte Entropie mittels Sonnenenergie rückgängig machen, indem zum Beispiel das auf Mülldeponien lagernde Material sowie das überschüssige Kohlendioxyd der Atmosphäre mit entsprechenden technischen Methoden in die biologischen und industriellen Kreisläufe zurückgeführt bzw. chemisch gebunden gelagert wird, ähnlich dem ursprünglichen Zustand von Kohle und Erdöl.

Da das Verhalten komplexer Systeme bei exogenen Störungen chaotisch verlaufen kann und sich zudem die verlorengegangene biologische Vielfalt nicht zurückgewinnen lässt, ist die Frage offen, innerhalb welchen Zeitraumes es noch gelingen kann, die Biosphäre in einen für das irdische Leben dauerhaft stabilen und zuträglichen Gleichgewichtszustand zurückzuführen.

Die Umstellung auf Sonnenenergie und Kreislaufwirtschaft lässt sich in fünf Pflichtgeboten zusammenfassen:

  1. Erstens müssen wir die von fossilen und radioaktiven Energieträgern ausgehenden Emissionen von Schadstoffen und Abwärme innerhalb eines überschaubaren Zeitraums auf nahezu null reduzieren und gleichzeitig unsere industriellen Prozesse und sonstigen Anwendungen auf die vielfältigen Formen direkter und indirekter Sonnenenergie sowie Erdwärme (Geothermie) umstellen.
  2. Zweitens müssen wir in unseren technischen Prozessen nachwachsende (erneuerbare) Rohstoffe aus der Biosphäre verwenden, die am Ende der Prozesskette als kompostierbares Material wieder in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden können.
  3. Drittens müssen wir unverzichtbare nicht-erneuerbare Rohstoffe wie etwa Mineralien in geschlossenen Kreisläufen dauerhaft wiederverwenden, also für diese Stoffe eine abfallfreie Kreislaufwirtschaft aufbauen.
  4. Viertens müssen wir die Herstellung und Nutzung umwelt- und gesundheitsschädlicher Chemikalien und Radioisotope soweit wie möglich einschränken.
  5. Fünftens müssen wir unser irdisches Siedlungsgebiet und unsere weltweite Bevölkerungszahl soweit begrenzen, dass Artenvielfalt, Nahrungskette und ein entsprechendes Gleichgewicht der Biosphäre erhalten bleiben.

Die Energieumstellung sollte übrigens im Mittelpunkt stehen, weil sie einen unmittelbaren Dezentralisierungseffekt hat und so die Umstellung auf kleinräumige Stoffkreisläufe und erneuerbare Rohstoffe erleichtert. Das geradezu existentielle Gebot zur Dezentralisierung, das sich aus den materiellen und energetischen Zwängen herleitet, führt zudem fast automatisch zu subsidiären Wirtschaftsstrukturen. Das heißt, Produktionen siedeln sich zwangsläufig auf der produktionstechnisch tiefstmöglichen Ebene an, oder anders ausgedrückt: die Wirtschaftsstruktur erreicht im Umstellungsprozess zwangsläufig ihre größtmögliche und nachhaltigste Dezentralität bzw. Subsidiarität.

Pioniere der industriellen Einführung optimaler biologischer und technischer Stoffkreisläufe in gemeinsamen Projekten mit Herstellern sind Michael Braungart[2] und William McDonough[3]. Sie nennen ihre Methode Cradle to Cradle design concept. Der Begriff, zu deutsch: »von der Wiege zur Wiege«, soll zum Ausdruck bringen, dass die Stoffe mit jedem Kreislauf immer wieder neu »geboren« werden und verlustfrei einer erneuten Verwendung zugeführt werden können.

6. Die Vorteile subsidiärer Wirtschaftsstrukturen

Subsidiäre Wirtschaftsstrukturen erzeugen dezentrale Vielfalt von Produktionen, Produkten und Arbeitsplätzen, weisen den wirtschaftlichen Akteuren vor Ort unmittelbare Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt zu, begünstigen die Entwicklung dezentral einsetzbarer Technologien und gehen bestens einher mit subsidiären gesellschaftlichen und politischen Strukturen, also mit demokratischer Entscheidungsfindung vor Ort. Technologischer Fortschritt, Wirtschaftswachstum und Wohlstand bekommen einen qualitativen Fokus, der mittels qualitativer Indikatoren des Bruttoinlandsprodukt (BIP) angesteuert werden kann und nachhaltige Wohlfahrt garantiert.

Siehe dazu auch den Artikel Wirtschaftliche Subsidiarität.

Die größte politische Hürde für eine sozialökologische Umkehr dürfte mit der absolut notwendigen, aber immer noch tabuisierten Begrenzung der Bevölkerungsdichte zu überwinden sein. Aber auch dieses Gebot wird im Lichte des wachsenden Fußabdrucks der Menschheit auf die Tagesordnung kommen müssen.

Siehe dazu auch den Artikel Demographie und Altersvorsorge.

Für einen tieferen Einblick empfehle ich die Artikel Wirtschaft und Entropie, Wirtschaftliche Externalitäten und Maximen wirtschaftlicher Ordnung.

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Quellen

  1. Redefining Progress: http://rprogress.org
  2. Michael Braungart: http://www.braungart.com/de
  3. William McDonough: http://www.mcdonough.com

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